Plötzlich sind alle dabei gewesen

Kommentar zum Thema Aktuelles

von  Citronella

Plötzlich sind alle Frauen dabei gewesen, plötzlich erinnern sich alle – vor allem C-Promis – daran, schon einmal betroffen gewesen zu sein bei Hass, Hetze und Nachstellungen im Netz. Es nervt nur noch.


In gewisser Weise hatte meine Generation goldene Zeiten ohne Internet und Handys. Mit meinem ersten Freund verabredete ich mich per Brief, obwohl er im Nachbarort wohnte, denn nur die wenigsten verfügten über ein Telefon. Fotografiert wurde kaum, schon gar keine Nacktfotos, denn das Entwickeln kostete Geld. An irgendwelche Übergriffe oder Nachstellungen ganz realer Art kann ich mich auch nicht erinnern, da wäre ein Täter im Dorf sehr schnell untendurch gewesen.


Es gab also schlichtweg keine Angriffsmöglichkeiten. Und wenn tatsächlich mal kleine Schweinereien vorkamen – wenn der große Nachbarsjunge dem kleinen Mädchen kurz unter den Rock fasste – wurde daraus kein Drama gemacht. Den Eltern erzählte man so etwas gar nicht, es wäre einem Kind zu peinlich gewesen. Meiner Freundin fasste mal ein älterer Mann auf einer Treppe unter den Rock, da war sie schon in der Stadt in der Lehre.


Später, als junge Frau in der Großstadt, verfolgte mich mal ein Mann nachts von der Straßenbahn bis vors Haus. Aber er rührte mich gar nicht an, er wollte mir nur etwas zeigen, was ich überhaupt nicht sehen wollte. Heute hätte man sofort das Handy gezückt und die Polizei gerufen, damals verschwand ich zitternd in meinem Zimmer ohne Telefon. Die älteren Vermieter zu wecken, traute ich mich nachts um 1.00 Uhr nicht.


Das waren alles unschöne Dinge, aber niemand, den ich kenne, wurde dadurch traumatisiert. Waren wir damals einfach resilienter als die heutige Generation junger Frauen? Oder nahmen wir uns einfach nicht so wichtig?


Die momentane nicht enden wollende Berichterstattung über angebliche sexuelle Übergriffe im Netz, die in erster Linie geplanten Gesetzesverschärfungen dienen soll und demzufolge auch politisch gesteuert ist, macht mich fassungslos. Jede Schweinerei gehört angezeigt, keine Frage – aber wo eine Schweinerei beginnt und auch für die Allgemeinheit interessant ist, bleibt wohl Interpretationssache. Und da scheinen einige Star und vor allem Sternchen ganz schnell erkannt zu haben, wie man mal wieder in die Schlagzeilen kommen könnte. Dass sie sich später empören, wenn sie erneut angegriffen werden, sollte niemanden mehr wundern.



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Kommentare zu diesem Text


 Saira (31.03.26, 12:08)
Dein Text, Citronella, vermittelt den Eindruck, dass sexuelle Übergriffe früher kaum existierten. Das ist leider schlicht falsch. Gewalt gegen Frauen hat es zu allen Zeiten gegeben, unabhängig von Handys oder Internet. Die Methoden haben sich verändert, aber das Grundproblem blieb. Schon im Mittelalter dokumentieren Chroniken Fälle von sexueller Nötigung, Übergriffen durch adlige Herren oder Geistliche, und in kleinen Dörfern konnte niemand wirklich sicher sein, denn Machtstrukturen und Abhängigkeiten machten viele Opfer stumm.

Auch in jüngerer Zeit, in ländlichen Gegenden, berichten Menschen von Nachstellungen, Übergriffen durch Lehrer, Geistliche oder Nachbarschaftsbekannte, oft verschwiegen aus Scham, Angst oder weil es „nicht üblich“ war, zu klagen. Dass diese Erlebnisse heute sichtbar werden, liegt nicht daran, dass Probleme erst jetzt entstanden sind, sondern daran, dass Betroffene sprechen dürfen und gesellschaftlicher Schutz wächst.

Die Vorstellung, früher seien Menschen „resilient“ gewesen oder „nahmen sich nicht so wichtig“, verkennt, wie unsichtbar und traumatisierend viele Erfahrungen tatsächlich waren. Prominente, die heute über digitale Belästigung oder sexuelle Gewalt berichten, tun dies nicht aus Lust an Schlagzeilen, sondern weil sie den öffentlichen Diskurs sichtbar machen und damit andere schützen.

Kurz gesagt: Sexuelle Gewalt ist keine Erfindung des Internets. Sie war immer da – nur das Schweigen und die Unsichtbarkeit waren größer. Wer das ignoriert, gefährdet das Verständnis für die Opfer von heute.

 Citronella meinte dazu am 31.03.26 um 12:48:
Ich glaube, du hast in deinem ideologischen Eifer übersehen, worum es mir wirklich ging.

Und was die „Opfer von heute“ betrifft, kannst du dein Verständnis am 25.04.2025 in Dresden zum Ausdruck bringen.
 https://www.trauerwachedeutschland.de/

Ich habe bei den von mir erwähnten Stars und Sternchen noch kaum jemanden gehört, der einen „öffentlichen Diskurs“ zu diesem Thema angestoßen hätte.


 niemand antwortete darauf am 31.03.26 um 13:09:
@ Citro
Vor allem zu den realen Vergewaltigungen äußern sich diese
Maulheldinnen nicht. Diese Vergewaltigungen seitens unserer
ach so geschätzten "Fachkräfte" werden sogar geleugnet. Da fragst Du dich wo leben diese Dämchen denn. Irgendwo auf einer Halig,
von Schafen umkreist? Mich kotzt diese Propaganda mit politischem Hintergrund inzwischen auch nur noch an. LG Irene

 Alabanda (31.03.26, 13:13)
Und wenn tatsächlich mal kleine Schweinereien vorkamen – wenn der große Nachbarsjunge dem kleinen Mädchen kurz unter den Rock fasste – wurde daraus kein Drama gemacht.

Was lernte das kleine Mädchen daraus, hmmm? Es muss sich von großen Jungs sowas gefallen lassen, bloß kein Drama machen, es hilft dir eh keiner. Was lernt der Junge daraus? Es ist ok sich an schwächeren zu vergreifen.
Was für eine üble Machogesellschaft, wo das Normalität ist.


Die Digitalsphäre ist aber was anderes. Digitale Übergriffe sind auch schlimm. Trotzdem ist der neue diditale Generalverdacht gegen alle Bürger völlig überzogen. Das wird auch nicht helfen.
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