wald im april

Naturgedicht zum Thema Natur

von  willemswelt

erzähle mir
von dem frischen grün
der jungbäume
von den sprößlingen
die durch das laub
des letzten herbstes dringen
erzähle mir
von dem käfer
am wegrand
der sein glänzendes
schwarzes seidenkleid
angezogen hat
von dem sonnenstrahl
der seinen weg
durch die dunklen tannen
bahnt
ja erzähle mir von ihnen
wie sie die trauer auffingen
die trauer
die einfach kam
als ich meine wunden spürte
an jenem tag
im april


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Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (11.04.26, 10:02)
Moin Willem,

zuerst beeindruckt die Erzähltechnik und dann der Inhalt.

Beste Grüße, 
Dirk

 AnneSeltmann (11.04.26, 10:48)
Lieber Willem!

Dein Gedicht landete gerade in mein Postfach, so dass ich gleich darauf antworten muss, weil so sehr berührt!!!

Dieses Gedicht liest sich wie eine Bitte um Rettung durch Wahrnehmung.
Es spricht die Natur nicht als bloße Kulisse an, sondern als Gegenkraft zur Trauer – als etwas, das erzählen, tragen, vielleicht sogar auffangen kann. Gerade dieses wiederholte „erzähle mir“ wirkt wie ein tastendes Sich-Hinwenden zur Welt, weil die eigene Sprache für den Schmerz noch nicht ausreicht.
Besonders berührt mich, wie konkret die Bilder sind: das frische Grün, die Sprößlinge im alten Laub, der Käfer im „schwarzen Seidenkleid“. Nichts daran ist dekorativ – alles ist genau gesehen, fast so, als müsse Schönheit hier erst bewiesen werden, bevor sie trösten darf.
Und dann dieser Bruch zum Ende:
Die Trauer „kam einfach“. Kein großes Ereignis, kein erklärender Rahmen – nur dieses plötzliche Überwältigtwerden im April, mitten im Erwachen der Welt. Gerade dieser Kontrast macht den Text so stark: Dass Frühling und Schmerz nebeneinander stehen dürfen.
Ein sehr inniges Gedicht über den Versuch, im Außen etwas zu finden, das das Innere mittragen kann.
Nicht Trost im einfachen Sinn – eher ein vorsichtiges Wieder-Anknüpfen ans Lebendige.


Liebe Grüße

Anne
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