Schachmatt

Gedicht zum Thema Betrachtung

von  AnneSeltmann



manchmal
stellt das leben
die figuren schon auf

bevor du überhaupt weißt
dass gespielt wird

 

du hältst dich
für den spieler

 

bewegst tage
von montag nach freitag
von sommer zu winter

 

kleine bauernzüge

 

kaffee
rechnungen
ein kuss im vorbeigehen

 

nichts daran klingt
nach gefahr

 

doch irgendwo
wartet längst

das feld
das du nicht gesehen hast

 

schach

 

sagt plötzlich
die stille im zimmer

 

und du blickst auf
als hätte jemand
deinen namen vergessen

 

die königin

war nie ein mensch

eher
dein mut vielleicht

 

oder dieses wilde
unvernünftige hoffen

 

man opfert es zuerst

 

seltsam

wie lange wir glauben
gewinnen zu müssen

 

obwohl doch jeder
am ende

die gleichen figuren
langsam zurück
in die schachtel legt

 

schachmatt

ein hartes wort

 

und dennoch klingt darin
etwas müdes
etwas friedliches

 

als dürfte man endlich
die schultern sinken lassen

 

draußen
zieht regen über die straße

 

und irgendwo
nimmt jemand
die erste figur
wieder in die hand



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