Vielleicht beantwortet diese Frage ein Interview, daß Holger Friedrich, Ossi und Eigentümer der Berliner Zeitung, Ben ungeskripet gegeben hat.
Falls ich richtig verstehe, war Holger durch seine Eltern höher in der DDR angesiedelt, aber wenige geschickt im Umgang mit der Stasi. Außerdem ist er ein erfolgreicher Unternehmer, während ich nie wirklich in Beruf und Gesellschaft erfolgreich sein wollte, sondern meine Zeit größtenteils für innere Projekte genutzt habe.
Aber das wohl für Ossis typische Verhalten, um nicht anzuecken, was Wessis in der guten alten Zeit, als das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" noch Sprachrohr der Gesellschaft und nicht Parteiorgan war, nie lernen mußten, jetzt aber wohl nachholen müssen, im demokratischsten Deutschland, dieses typische Ossi-Verhalten, höre und sehe ich in der Art, wie Holger sich bei Ben artikuliert.
Dieses Hin und Her täuscht darüber hinweg, daß Ossis sehr genau wissen, was sie wollen, aber vorsichtiger sind, weil man nie weiß, womit man aneckt, und da ist es einfach besser, daß die da Oben kein klares Bild haben, was in einem vorgeht.
Digitale ID, Überwachung rund um die Uhr und so weiter sind für Ossis vermutlich weniger ein Problem als für Wessis: der Ossi kennt es und weiß damit umzugehen.
Was man sich im Westen wohl nicht vorstellen kann: ich habe mir der DDR mir wenige Sorgen gemacht, etwas Falsches zu sagen als jetzt. In der DDR wollten Partei und Regierung die Bevölkerung nicht reduzieren oder austauschen, sondern vermehren. Insofern waren offene Diskussionen angesagt. Genossen waren letztendlich auch Ossis, keine Eliten, die alles untereinander klären und das Volk zur Rechtfertigung ihre Macht brauchen, es aber wie Statisten behandeln.
In der DDR sind Partei und Regierung nicht auf die Idee gekommen, sich selbst billige Energie zu verbieten, funktionierende Kraftwerke zu sprengen oder Massen an Menschen ins Land zu holen, die nicht ins Land passen.
Kritisiert man die demokratische Regierung Deutschlands dafür, sagt den Verantwortlichen, für was man sie hält, tritt die Staatsgewalt die Tür ein und führt einen ab.
In der DDR hätte sich die Stasi um solche Versager verkümmert.
Ich habe den Eindruck, die Demokratie in Deutschland hat nur so lange funktioniert, wie es die DDR gegeben hat, um den Ossis das Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen bei der Vorstellung, bald im goldenen Westen leben zu dürfen.
Als die Ossis dann angegliedert waren, konnte die Demokratie endlich ihr wahres Gesicht zeigen.
Den ersten Vorgeschmack hat man beim Durchpeitschen der Rechtschreibreform 1996 bekommen. Die großen Zeitungen leisteten Widerstand, BILD, Spiegel, FAZ, Süddeutsche fuhren große Geschütze auf. Auf einmal gaben sie nach, paßten sich an. Da hat jemand ein Machtwort gesprochen. Seit dem sind die damals mit eigenen Meinungen auftretenden Medien immer mehr Parteipresse geworden. Heute ist es egal, ob man BILD, Spiegel, FAZ oder Süddeutsche liest.
Ich habe mich damals gefragt, warum man nicht auf die Fachleute gehört und die Rechtschreibung wirklich verbessert hat. Die Antwort ist einfach: es ging nie um eine bessere Rechtschreibung, ebensowenig wie es bei den Corona-Maßnahmen um eine bessere Gesundheit ging.