Vier Arme und vier Hände 2

Kurzprosa

von  altezeit

2.

Als ich das Gymnasium besuchte, schrieb ein Lehrer unter eine Klausur eines Mitschülers: Müller, Sie bemühen sich, aber sie scheitern. So geht es mir mit meiner Haushaltsführung. Es gelingt mir nicht, meinen Haushalt zu meiner eigenen Zufriedenheit zu führen. Ich arbeite jetzt seit fünfundzwanzig Jahren an meiner Haushaltsführung. In diesem Zeitraum habe ich herausgefunden, worauf es mir ankommt: Sparsamkeit. Ich möchte Zeit sparen. Ich möchte Geld sparen. Ich möchte Körperbewegung sparen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das Sparen von Zeit dasselbe ist wie das Sparen von Körperbewegung. Aber ich glaube nicht. Es gibt einen gemeinsamen Nenner: die Geschwindigkeit. Bewegte ich mich schneller, könnte ich mehr Körperbewegungen in eine gegebene Zeitspanne unterbringen. Das ist fast so wie bei der Geschwindigkeit eines Autos, die in Stundenkilometern gemessen wird. Der Unterschied zur Haushaltsführung ist, dass ich nicht nur meine Beine bewege. Ich bewege auch meine Arme. Ich bewege meine Arme in schneller Abfolge in verschiedene Richtungen. 

Als ich studierte, habe ich meine Haushaltsaufgaben schneller abgearbeitet als heute. Mit den Jahren habe ich festgestellt, dass der Stress, der bei dieser Geschwindigkeit in mir wütet, große Nachteile bereitet. Stunden nach der Erledigung aller Haushaltsaufgaben lungert noch ein ein Rest Angespanntheit in mir. Das ist so wie einem stehenden Auto, dessen Motor nach einer Fahrt noch lange warm bleibt. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, wie lange ein Automotor benötigt, um abzukühlen. Die Angespanntheit führt dazu, dass ich mich nicht ausruhen kann, obwohl ich mich ausruhen dürfte, da alles erledigt ist, und mich ausruhen müsste, da die erhöhte Geschwindigkeit auch eine erhöhte Erschöpfung mit sich bringt. 

Manchmal ziept der Rest Angespanntheit so aufdringlich, dass ich nicht einschlafen kann. Gleichzeitig beschwert die Erschöpfung meine Glieder und Gedanken, sodass ich die Zeit, die ich mir durch schnellere Körperbewegungen herausgeschunden habe, nicht für etwas Sinnvolleres nutzen kann. Ich schaue ihr dann innerlich zappelnd, äußerlich reglos beim Vergehen zu, während ein Ärger in mir wütet, dass ich nicht so funktioniere, wie ich es von mir erwarte. Ich ärgere mich, dass ich zu faul bin, ich ärgere mich, dass ich zu undiszipliniert bin. Am meisten ärgere ich mich, dass sich Anspannungsrest und Erschöpfung so breit machen, dass kein Raum mehr da ist, in dem Ideen umherfliegen können. Außerdem ärgere ich mich, dass Ärger sich in jeden noch so engen Raum drängen und sein Unwesen treiben kann. 


Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Saira (07.06.26, 10:01)
Moin altezeit,

vielleicht liegt das Problem gar nicht in deiner Haushaltsführung, sondern in deinen Erwartungen an sie.

Du scheinst davon auszugehen, dass der Haushalt irgendwann erledigt sein könnte. Das halte ich für eine gewagte Hypothese.
Meiner Erfahrung nach befindet sich ein Haushalt niemals in einem Zustand der Erledigung. Er macht nur kurze Pausen, um neue Aufgaben auszubrüten.

Die wahre Kunst besteht vermutlich darin, ihn nicht zu besiegen, sondern ihn rechtzeitig zu ignorieren.

Und falls du doch eine endgültige Lösung findest: Bitte umgehend veröffentlichen. Das wäre bedeutender als die Erfindung des Rades.

LG
Saira
Zur Zeit online: