Mit Karte bitte!

Anekdote zum Thema Unachtsamkeit

von  Citronella

Die kleine alte Frau, die sich vor mir an der Supermarktkasse über ihren Rollator bückt, ist bemüht, ihre Einkäufe in der Packtasche des Gefährtes zu verstauen.

„Soll ich Ihnen helfen?“, fragt die freundliche Kassiererin und hat mit wenigen gezielten Handgriffen die Ware eingepackt. Die alte Frau nickt dankend und zückt dann eine Karte zum Bezahlen. Allerdings reicht sie aufgrund des im Wege stehenden Rollators nicht an das Lesegerät heran.

„Soll ich die Karte für Sie dranhalten?“

Die Kundin bejaht. Nach dem Einlesen meint die Kassiererin:

„Dann bräuchte ich noch die PIN-Nummer!“.

Die Alte schaut ein wenig misstrauisch in die Runde und nennt dann laut und deutlich die Nummer 3716. Die Kassiererin zögert einen Moment, weil sie wohl selbst nicht glauben kann, ob sie richtig gehört hat, und die Kundin wiederholt noch einmal die Zahl, sodass nun auch die Kunden an der Nachbarkasse sie verstehen müssten. Die Kassiererin tippt, und Omchen zockelt in Zeitlupe mit dem Gehwägelchen davon.


Ich bleibe noch eine Weile hinter ihr, bis sie sicher über den Parkplatz davon geschlurft ist.



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Kommentare zu diesem Text


 Moppel (08.07.26, 10:15)
tja, wenn man alt wird.... lG von M.

 Citronella meinte dazu am 08.07.26 um 10:24:
Tja, Moppel - sie war ja gar nicht so seeeehr viel älter als ich. Aber ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen und gesagt: Omchen, so geht das nicht! Du kannst doch hier nicht laut deine PIN-Nummer rausposaunen ...  :woot:

LG Citronella

 Jack (09.07.26, 00:19)
So etwas passiert durchaus in High Trust Societies. Im Grunde ist Deutschland auch eine Vertrauensgesellschaft. Es wird weniger gestohlen als Gefundenes zurückgegeben. Ladendiebstahl ist in Deutschland keine Folge der Not, sondern ein spezifischer Volkssport. Als wäre es das Normalste überhaupt, brachte mir ein Klassenkamerad (Klasse 7) im Spätsommer 1996 (ich war erst seit wenigen Monaten in Deutschland) die geklauten Filme „Independence Day“ und „Twitter“ auf Videokassetten mit. Abgesehen von dieser kulturellen Besonderheit ist es in Deutschland unüblich, Menschen zu bestehlen, zu betrügen oder auf der Straße anzugreifen.

Dass die einzige Oppositionspartei (deren wahre Zustimmungswerte nach dem Erreichen von 29% nicht mehr ehrlich wiedergegeben werden) unter anderem auch dieses Deutschland erhalten will, verdient klare Zustimmung. 

Das entvölkerte Polygon Sachsen-Anhalt hat nichts mehr zu verlieren und wird zeigen, ob die AfD auch regieren kann. Nur Alleinregierung wäre allerdings sinnvoll, weil jede der „Kartellparteien“ (Höcke) aus eigenem Interesse eine AfD-Regierung sabotieren würde.

 Citronella antwortete darauf am 09.07.26 um 10:58:
Moin Jack,

ich habe das große Glück, in einer (noch) relativ beschaulichen Kleinstadt zu leben, wo Überfälle, Einbrüche und Diebstähle zwar auch immer häufiger vorkommen, aber verglichen mit anderen Orten immer noch nicht überhand genommen haben. Dennoch sah ich dem gehbehinderten Omchen auf ihrem Weg aus dem kleinen Einkaufszentrum, vorbei an einem Geldautomaten, mit Sorge hinterher. 
Man wundert sich immer, wenn man über die Opfer von Enkeltricks liest – bis man selbst erlebt, wie naiv manche alte Leute sind.

Danke für deinen Kommentar!

Juni (42) schrieb daraufhin am 12.07.26 um 06:55:
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 Jorge (12.07.26, 00:18)
Das ist ja fast unglaublich.
Zumindest habe ich so etwas seit Jahrzehnten nicht erlebt.
Weder in Deutschland noch anderswo.
Juni (42) äußerte darauf am 12.07.26 um 06:59:
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 Citronella ergänzte dazu am 12.07.26 um 11:07:
@ Jorge:

Vielleicht sind die Menschen in Schleswig-Holstein besonders vertrauensselig?  :ermm:

 Citronella meinte dazu am 12.07.26 um 11:13:
@ Juni:

In einer (norddeutschen) Einkaufspassage verlor ich vor einigen Wochen mein Portemonnaie, und zu Hause begann ich mit den üblichen Sperrungen von Geld- und Krankenkarte. Weitere Papiere habe ich nie darin.

Am Tag darauf bekam ich einen Anruf von meiner Krankenkasse – eine Verkäuferin hatte das Portemonnaie auf dem Tresen einer Boutique gefunden (in der ich nie gewesen war) und da keine Adresse darin war, die Krankenkasse angerufen, um den Eigentümer ausfindig zu machen. Ich fuhr sofort hin und erhielt von der freundlichen Boutique-Verkäuferin das Portemonnaie zurück. Die Karten waren noch da, das Bargeld leider nicht. Die Verkäuferin erzählte, das Portemonnaie habe morgens kurz nach Ladenöffnung plötzlich auf dem Tresen gelegen, irgendwer (vielleicht die morgendlichen Reinigungskräfte) musste es draußen (vielleicht im Papierkorb) gefunden und dort abgelegt haben. Sie machte einen vertrauenswürdigen Eindruck. Einen Finderlohn lehnte sie vehement ab.
Juni (42) meinte dazu am 12.07.26 um 12:03:
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