Neulich in Schopschietmöhlen

Satire zum Thema Annäherung

von  Citronella

Hallo, liebe Hörer,


in der heutigen Nachmittagssendung „Unterwegs in Schleswig-Holstein“ berichtet unser Reporter Holger Laberschnack von einem ungewöhnlichen Projekt in Nordfriesland. Er besucht dazu den Kindergarten in Schopschietmöhlen. Lassen Sie sich überraschen!


Moin, moin, aus Schopschietmöhlen, wo ich gerade bei einer Tasse Tee mit Frau Ingelore Siegfried-Schönhausen zusammensitze. Frau Siegfried-Schönhausen ist die Leiterin des hiesigen Kindergartens und hat Außergewöhnliches zu berichten. Erzählen Sie doch bitte mal!


Ja, also, wo soll ich anfangen … Es begann damit, dass vor einigen Jahren die Familie

Abduldakir aus Somalia zu uns kam. Die Dorfgemeinschaft bemühte sich sehr, den Eltern und vier Kindern das Einleben so leicht wie möglich zu machen. Wir fanden sehr schnell eine Unterkunft für sie bei Familie Jepsen, die in ihrem großen bäuerlichen Anwesen ein Nebengebäude für sie frei machte. Die Eltern Abduldakir lebten sich schnell ein, sie halfen den Bauersleuten auf dem Hof, die Kinder besuchten Kindergarten und Schule und alle lernten sehr schnell Deutsch.


Das hört sich nach einer absoluten Erfolgsgeschichte an.


Ist es auch. Vor vier Jahren wurden dann noch die Zwillinge geboren …


Womit die Familie mittlerweile sechs Kindern hat?


Sieben. Letztes Jahr kam noch eins dazu …


Ok. Aber wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es hier im Dorf keinerlei Probleme mit Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis ...


Um Himmelswillen, nein. Die Dorfgemeinschaft hat sie alle gerne aufgenommen …


Alle?


Na ja, weil es sich herumgesprochen hatte, wie schön das Leben in Schopschietmöhlen ist, kamen nach und nach natürlich auch noch weitere Geflüchtete dazu. Zunächst aus der großen Verwandtschaft der Abduldakirs, dann weitere Bewohner ihres Heimatdorfes … aber wir fanden Platz für alle. So soll es doch sein in der heutigen Zeit, nicht wahr?


Ja, sicher. Es ist aber schon ungewöhnlich, dass dies alles so problemlos abgelaufen ist


Probleme sind dazu da, dass man sie löst. Und wir hatten ja Unterstützung von vielen Seiten, z. B. vom alten Professor Meyer-Unterscheidt, der früher mal als Studienrat am Gymnasium in der Kreisstadt tätig war. Er kümmert sich seit Jahren um die sprachliche Eingliederung der neuen Bürger. Und weil sein Hobby das Plattdeutsche ist, fördert er interessierte Kinder auch dahingehend.

Jette, Fiete .. kommt ihr mal her?


Für unsere Hörer: Zwei reizende kleine Krausköpfe kommen vom Spielplatz herübergelaufen.


Wokeen büst du denn?


Das ist der Herr vom Radio, von dem ich euch erzählt habe.


Ihr seid also Jette und Fiete?


Jau, dat sünd wi!


Dazu noch eine kleine Geschichte: Die alten Jepsens haben gleich die Patenschaft für die Zwillinge übernommen. Darum war es für die Abduldakirs selbstverständlich, den Kleinen norddeutsche Namen zu geben. Eine schöne Geste, nicht wahr?


Äh, ja, in der Tat …

Wenn ich mir die Kinder auf dem Spielplatz so ansehe, fällt mir auf, dass kaum noch ein hellhäutiges Kind dabei ist. Bekommen die Alteingesessenen keine Kinder mehr, oder woran liegt das? Das Neubaugebiet links der Hauptstraße, an dem ich vorhin vorbeikam, wirkte auf mich ziemlich verwaist …


Jette und Fiete, ihr könnt jetzt wieder zurück zu den Anderen ...


Ja, da sprechen Sie etwas an, was uns kurzfristig ein wenig Sorgen machte. Etliche der Zugezogenen aus Hamburg oder anderen Städten Schleswig-Holsteins, die hier einen ruhigen Lebensabend verbringen wollten, sind mittlerweile wieder zurückgezogen, was ich überhaupt nicht verstehen kann. Und einige junge Leute wollten plötzlich auch lieber in der Stadt leben. Viele Häuser stehen nun leer – aber wir haben dafür natürlich schnell eine Lösung gefunden.


Und die wäre?


Die Gemeinde hat etliche der Häuser mit Unterstützung der Landesregierung aufgekauft und wird sie weiteren Geflüchteten zur Verfügung stellen. Unser Ministerpräsident ist ja für seine Integrationsbemühungen bekannt. Nächste Woche wird er uns übrigens besuchen, wir sind schon sehr aufgeregt. Und die Kinder üben schon das eine oder andere Lied für diesen Besuch.


Ich bin beeindruckt, Frau Siegfried-Schönhausen. Solche tollen Geschichten hören sicher auch unsere Hörer gern. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Dorf für die Zukunft alles Gute! Danke für dieses Gespräch.

Und damit gebe ich zurück ins Funkhaus.




Hinweis: Der Verfasser wünscht generell keine Kommentare von niemand und Schtzngrrrrm.

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