Als Aton Nofretete erkannte

Legende zum Thema Mythisch

von  Saira

Während Memphis
seine alten Schatten trug,
lag Amarna
wie ein neuer Morgen
im Atem der Wüste.

 

Aton

stieg nicht auf.

 

Er entfaltete sich.

 

Seine Strahlen

trugen Hände,

und jede Hand

berührte das Leben,

ohne es festzuhalten.

 

Die Tempel

hatten keine Dächer.

 

Der Himmel

genügte.

 

Denn kein Stein

sollte das Licht

gefangen nehmen.

 

Nofretete

trat

in diesen Morgen.

 

Nicht als Königin.

 

Nicht als Schönheit.

 

Sondern

als die Frau,

in der Atons Schweigen

ein menschliches Gesicht fand.

 

Wenn sie

den Blick hob,

öffnete der Nil

seinen silbernen Atem.

 

Der Wüstensand

vergaß,

dass er

aus Staub bestand.

 

Die Sykomoren

trugen Schatten

wie kostbare Gewänder.

 

Und die Ibisse

zeichneten

mit ihren Flügeln

Gebete

in den Himmel.

 

Die Priester

suchten Gott

im Tempel.

 

Aton

fand ihn

im Gesicht

Nofretetes.

 

Darum,

erzählt der Nil,

trägt jeder Sonnenaufgang

noch heute

eine Spur

ihres Namens.

 

Nicht,

weil Schönheit

die Zeit besiegt.

 

Sondern,

weil Licht

sich erinnert,

wo es

zum ersten Mal

geliebt wurde.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026
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Bild für das Forum genehmigt.







Anmerkung von Saira:

Sykomoren sind große, ausladende Feigenbäume.

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Kommentare zu diesem Text


 Otto (10.07.26, 15:40)
Sonnenanbeter Amennophis IV., genannt Echn-Aton, der erste Monotheist, liebte seine Mutter Teje und toetete fuer sie (mit Nofretetes Hilfe?) seinen schwulen  Vater Amenophis III., der Frauenkleider trug und Amiun-Re verehrte  : 
Der Ur-Oedipuskomlex.

🤗🤔.

Kommentar geändert am 10.07.2026 um 15:44 Uhr

Kommentar geändert am 10.07.2026 um 15:46 Uhr

Kommentar geändert am 10.07.2026 um 15:47 Uhr

 Saira meinte dazu am 10.07.26 um 15:57:
Hallo Otto,

vielen Dank für deinen historischen Blick auf die Zeit Echnatons. Die Amarna-Zeit gehört sicherlich zu den spannendsten und rätselhaftesten Epochen des alten Ägypten. Gerade weil vieles aus dieser Zeit bis heute Fragen offenlässt, entstehen immer wieder unterschiedliche Deutungen über Echnaton, Nofretete und die politischen wie religiösen Umbrüche ihrer Epoche.

Mein Gedicht wollte allerdings keine historische Rekonstruktion liefern, sondern eine poetische Legende erschaffen. Mich hat weniger die Frage beschäftigt, welche Machtkämpfe und persönlichen Konflikte sich möglicherweise hinter den historischen Figuren verbargen, sondern welche Bilder diese Menschen bis heute in unserer Vorstellung hinterlassen haben.

Aton und Nofretete stehen in meinem Text daher nicht nur für ein Königspaar, sondern für zwei Sinnbilder: das Licht, das Leben schenkt, und den Menschen, der diesem Licht ein Gesicht gibt. Die „Wahrheit“ des Gedichts liegt nicht in einer historischen Beweisführung, sondern in der Frage, was bleibt, wenn die Jahrtausende über etwas hinweggegangen sind.

Gerade die Tatsache, dass wir über diese Zeit nicht alles wissen, macht sie für die Fantasie so faszinierend. 

Zwischen den erhaltenen Steinen, Inschriften und Darstellungen entsteht ein Raum, in dem Geschichte und Mythos miteinander ins Gespräch kommen können.

LG
Saira

 Otto antwortete darauf am 10.07.26 um 16:08:
Nur kann man die historisch besondere e Liebe von Nofretete und Echnaton nicht heute zu jedem neuen Mythos machen, ohne sie zu vergewaltigen.
🤔🤗
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