Die Erinnerung des Meeres

Gedicht zum Thema Mythisch

von  Saira

Das Meer

war älter

als sein Salz.

 

Die Wüste

war älter

als ihr Sand.

 

Als sie einander
zum ersten Mal
berührten,
hörte die Ferne auf,
Ferne zu sein.

 

Seitdem

geht der Mond

jede Nacht

denselben Weg.

 

Nicht,

um den Liebenden

zu leuchten.

 

Er sucht

jene erste Berührung,

die ihm

damals entgangen ist.

 

Manchmal

bleibt er

lange

über den Dünen stehen.

 

Dann

wirft der Sand

keinen Schatten.

 

Er erinnert sich.

 

Nicht

an den Wind.

 

Nicht

an den Tag.

 

An jene

erste Berührung.

 

Es gibt

eine Stunde,

in der das Meer

keine Wellen kennt.

 

Es hebt

und senkt

nur noch

sein großes,

schlafendes Herz.

 

Wer

in dieser Stunde

am Ufer steht,

hört,

wie das Wasser

den Namen

des Mondes

loslässt.

 

Die Ferne

legt

ihr Gesicht

ins Meer.

 

Die Sterne

ziehen

lautlos

durch den Sand.

 

Und die Nacht

streift

ihre Dunkelheit ab,

als wäre auch sie

nur ein Gewand.

 

Zwei Menschen

treten

an den Rand

dieser Stille.

 

Nicht,

um sich

zu finden.

 

Gefunden

hatten sie sich

lange,

bevor ihre Schritte

das Ufer

erreichten.

 

Ihre Nähe

ist so leicht,

dass das Licht

nicht mehr weiß,

auf wen

es fallen soll.

 

Es bleibt

zwischen ihnen.

 

Dort

wird es

weich.

 

Eine Stirn

neigt sich.

 

Ein Atem

ändert

die Richtung

des Windes.

 

Mehr

geschieht nicht.

 

Es

genügt.

 

Da

öffnet sich

im Innern

einer einzigen Welle

ein Himmel,

den kein Stern

je gesehen hat.

 

Und tief

unter den Dünen

beginnt

der Sand,

langsam

zu blühen.

 

Nicht

mit Blüten.

 

Mit Schweigen.

 

Die Nacht

nimmt

dieses Schweigen

an sich.

 

Sie trägt es

über das Meer,

über die Wüste,

bis irgendwo

ein Mensch

innehält

und meint,

für einen Herzschlag

den Duft

einer Küste

zu kennen,

an der er

niemals gewesen ist.

 

Und wenn

am Ende

der Nacht

der Morgen

das Meer

mit seinem ersten Licht

berührt,

bleibt

zwischen einer Welle

und der nächsten

ein schmaler,

fast unsichtbarer

Streifen Stille.

 

Die Alten

der Wüste

sagen:

 

Dort

schläft

die Seele

des Mondes.

 

Das Meer

aber

weiß,

dass dort

zwei Liebende

noch immer

stehen.

 

 

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026





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Anmerkung von Saira:

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Kommentare zu diesem Text


 EVdR (08.07.26, 15:00)
Hallo Saira,

"Koans" als Öffner.

Für mich ein Multiversum der Mystik. 
Kein einfacher Text der sich sofort offenbart. 
Jede neue Betrachtung, andere Gedanken.  

Beeindruckt und fasziniert,

EVdR 
und der Mensch 

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