Als ich Webmaster war

Text

von  Verlo

Der wesentliche Unterschied zwischen Nutzer und Webmaster ist: der Webmaster ist Gott. 

Zumindest in den Foren, die er betreut, falls er nicht für einen Besitzer arbeitet.

Arbeitet er für einen Besitzer, ist der Webmaster der letzte Arsch.

Ich war Besitzer mehrer Foren, deren Erfolg sich nur für mich beziffern läßt.

Am meisten Spaß hat mir gemacht, den Webmaster zu quälen. 

Der Webmaster kann jeder Nutzer ärgern und sperren, aber nicht den Besitzer. 

Der Besitzer aber kann den Webmaster ärgern und sperren. Rund um die Uhr.

Der Webmaster kann sich nicht dagegen wehren, außer mit einer Kündigung. Dabei muß er allerdings die First einhalten, ansonsten wird er verklagt, bis er nichts Materielles mehr besitzt.

Der Webmaster ist dem Besitzer ausgeliefert wie ein Sklave seinem Herrn.


Wie Gott zu sein, bedeutet, alles zu wissen, auf alles Einfluß nehmen zu können.

Wer glaubt, persönliche Nachrichten (PN) lesen nur Schreiber und Empfänger, der sollte sich Foren-Software einmal genauer ansehen.

Wenn Gott es will, liest er nicht nur PN, sondern verändert sie auch, so daß der Schreiber am Ende glaubt, sie so geschrieben zu haben. 

Gott kann A auch eine PN schreiben und an B schicken lassen, ohne daß A eine PN an B geschrieben hat.

Gott kann Texte umschreiben.

Gott kann Text unsichtbar machen.

Gott kann Text mit wohlwollenden Kommentaren adeln.

Der Foren-Gott kann alles, was Gott auch kann. Nur eben im Forum.

Aber die virtuelle Welt wird immer mächtiger, vielleicht wird sie die materielle einmal ablösen. 

Vielleicht werden wir Menschen irgendwann nur Energie sein, nachdem wir von KI vernichtet wurden.

Vielleicht wird die Menschheit nur virtuell überleben.

Dann ist es ein großer Vorteil, schon einmal Webmaster gewesen zu sein, die geheimen Weg des Virtuellen zu kennen, einige Nachschlüssel zu haben, zu den versteckten Schatzkammern, in denen alles lagert, was den Menschen zum Menschen macht.


Ja, der Autor hat sich wieder ablenken lassen. Das liegt daran, daß er kein Webmaster-Typ ist, sondern lediglich einen Seelenteil hat, der gern Macht ausübt, Schicksal spielt.

Wie es der Stiefvater des Autor für sein Leben gern tut.

Dieser kleine Stasi-Spitzel.


Der Autor hatte Macht, eine Dienstpistole, und hätte einen Klassenfeind erschießen können.

Dadurch hätte er sich allerdings auf eine Seite der Macht gestellt.

Auf die Seite der Macht.


Als mein Stiefvater seinen Sohn, meinen zehn Jahre jüngeren Bruder, als er sieben oder acht Jahre alt war, grün und blau geschlagen hat, ist der zu seiner Lehrerin gegangen, die mit mit ihm zur Direktorin, und die ist mit ihm zur Stasi-Mann, der im Keller der Schule sein Büro hatte.

So kam es, wie es kommen mußte: mein Stiefvater wurde Stasi-Spitzel.

So rekonstruiere ich es. Selbstverständlich wurde der Vorfall in unserer Familie nie thematisiert.

Meine Mutter hat geholfen, die Geschichte zu verschleiern. Eine Mutter hat sich auf die Seite des Mannes gestellt, der ihren Sohn als Lustknaben beanspruchte.

Die Stasi hatte dafür sicherlich Verständnis, arbeitete mein Stiefvater doch in einem Geschäft, deren Aktivitäten verdächtig waren. Außerdem hat mein Stiefvater versprochen, nie mehr so böse zu sein. Also seinen Sohn nie wieder grün und blau zu schlagen. Bißchen Spaß war weiterhin erlaubt.

Halt, ich weiß nicht, wie weit die Stasi verstand, was vorgefallen war. Ich glaube, daß mein Stiefvater ausgerastet ist, weil sein Sohn nicht mehr Lustknabe sein wollte.

Ich war bereits bei der NVA und hatte meine Ausbildung zum Offizier begonnen. Wäre ich noch jeden Tag zu Hause gewesen, hätte sich mein Stiefvater unter Kontrolle gehalten.

Ihm war klar, was er für ihn bedeutet hätte, meinem Bruder so etwas anzutun. 

Daß er meinen Bruder als Lustknaben hielt, wußte ich damals nicht. Mein Stiefvater kümmerte sich morgens liebevoll um seinen Sohn, während meine Mutter und ich das Haus bereits verlassen hatte. Und für mein kleiner Bruder kannte es nicht anders. 

Es begann, als er auf dem Nachttopf saß. Ich erinnere mich deutlich: Ich war im Nachbarzimmer und hörte meinen Stiefvater lachen. Das war außergewöhnlich. Ich ging vom Kinderzimmer in die Stube und sah meinen Stiefvater wie er ... 

Mein Mutter war in der Küche und rief ... ich weiß es nicht mehr was. Sie wollte, daß mein Stiefvater aufhörte. Ich ging sofort wieder in Kinderzimmer. Ich, elf Jahre alt, spüre die Gefahr. Würde ich mich einmischen, würde ich das nie vergessen. Mein Stiefvater war damals sehr jähzornig, und ich konnte seiner Gewalt nichts entgegensetzten.

Muß man sich mal vorstellen: meine Mutter, die als Lehrerin ihre Schüler beschützt, lebt mit so einem Typ freiwillig zusammen ... Na ja, wohl nicht freiwillig, sondern sie konnte mit normalen Männern nicht zusammen sein. Da ist etwas vorgefallen, als sie eine junge Frau war. Nein, nicht mit Russen, sondern mit Deutschen.


Ja, damals kämpfte mein Bruder für seine Freiheit. Aber ich glaube, die Niederschlagung seines Widerstandes hat ihn für immer geprägt.

Für immer, meint: bis heute.

Die Liebe und Anerkennung seines Vater schneit ihm wichtiger als die eigenen Gesundheit.

Dabei versteht er nicht, daß er krank bleibt, nie gesund werden kann.

Vielleicht versteht er es auch oder hat es einmal verstanden, aber irgendwann hat man nicht mehr die Energie, um vom vorgezeichneten Kurs abzuweichen.

Mein Stiefvater ist immer auf Kurs geblieben. Hat alle Krisen unbeschadet überstanden. Seine Gesundheit ist besser als die meines Bruder und meine zusammen. Würde mich nicht wundern, wenn er uns beide überlebt.


Da läßt sich Gott nicht lumpen: die Seinen beschützt und bevorzugt er.




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Kommentare zu diesem Text


 Otto (14.07.26, 14:06)
Der "Foren-Gott" kann im Forum vielleicht machen, was er will. aber Gott selbst kann seinem Begriff nach buchstäblich  ueberall alles, selbst die Logik und Naturgesetze, die seine Gewohnheiten sind,  aufheben in Wundern. 

Der Mensch ist nur "zu allem faehig", wie du in deiner grauenvollen Familiengeschichte schreibst. Die Muehlen des Himmels mahlen bekanntlich langsam, aber sicher - auch in diesem Fall, warte ab ... 
Glauben heisst, das Unglaubliche fuer wahr zu halten ..

Wir sollten dem Ewigen nicht vorwerfen, dass er nicht unser Wunschgoetze ist. ER liebt die Verbrecher, ja, - wenn sie nur eines Tages ehrlich bereuen und Ihm dann etwas schulden, statt immer nur das Rechte zu tun, um an Ihm vorbei in den Himmel zu kommen . ...
🤔

Kommentar geändert am 14.07.2026 um 14:07 Uhr

Kommentar geändert am 14.07.2026 um 14:19 Uhr
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