Fragment 2 - Winter auf dem Land

Protokoll zum Thema Existenz

von  mrakkkk

und mich diese Enten und Gänse und die grünen Bäume auf der kleinen Insel in dem Teich langweilten, dachte ich noch einmal darüber nach, dass das ja keine Wildgänse, sondern Nilgänse waren und die hatte es hier früher nicht gegeben, der Nil war ja in Ägypten und da war es doch viel wärmer als hier, vor allem die Winter, die gab es dort nicht, aber heutzutage waren die ja auch hier nicht mehr so kalt wie damals, damals, da hatte es noch Schnee gegeben und dieser Schnee, der war auch tage- oder wochenlang liegen geblieben und wenn das heute noch so wäre, dann würden sich diese Gänse hier nicht wohlfühlen, ganz sicher nicht, denn damals, da war es wirklich lange kalt gewesen, so kalt, dass meiner Großmutter in einem Winter das Heizöl ausgegangen war, daran erinnerte ich mich noch gut, da war ich mit meinem Vater in einem alten Kombi voller Heizölkanister zu meiner Großmutter gefahren, die hatten wir beim Händler abgefüllt und dann ging es durch die verschneite Landschaft und über die weisse Straße, denn das war dieses Jahr gewesen, in dem sogar das Streusalz ausgegangen war, wir waren aber trotzdem gefahren mit dem Kombi und dem Kofferraum voller schwerer Kanister weil die Großmutter schon kein warmes Wasser mehr gehabt hatte und es doch sehr kalt gewesen war, das Auto hatten wir voll beladen und vorn im Auto saßen mein Vater und ich und das ganze Gewicht, das war im Kofferraum und weil der Kombi Frontantrieb hatte, war das wirklich abenteuerlich, weil wegen dem Gewicht hinten im Auto die vorderen Reifen nicht mehr so viel Kontakt zum Boden hatten und das hat man gemerkt beim Lenken und beim Anfahren, weil die Reifen haben dann durchgedreht beim Anfahren und haben auch nicht so gut reagiert beim Lenken, weil der Bodenkontakt halt nicht so fest war und das Auto gerutscht ist und außer uns war kein Mensch auf der Straße unterwegs, nur wir und die weiße Landschaft, wir hatten uns das getraut, sonst keiner und das war ein Abenteuer und wir schafften das, ohne Unfall sind wir über die Landstraße gefahren, obwohl es da eine Stelle gab, an der ging es richtig steil bergab, aber zum Dorf meiner Großmutter gab es zwei Wege und wir nahmen den Weg, der zwar ein bisschen länger war, weil man noch durch zwei oder drei Dörfer fahren musste, aber dafür gab es auf diesem Weg nicht so eine steile Stelle, wie auf dem anderen Weg, da stand nämlich sogar ein Warnhinweisschild wegen dem starken Gefälle, da kam dann nach dem Gefälle eine starke Rechtskurve und dann ging es ein bisschen geradeaus und dann kam eine noch stärkere Linkskurve, das war eine richtige Serpentine, die man den Berg da runterfahren musste, bis man dann im Tal war, in dem es auch einen kleinen Bach gab, der sich durch das Tal schlängelte und wegen dem immer wieder die Straße repariert werden musste, weil der Bach das Ufer manchmal ein bisschen mit sich riss und dann sank natürlich auch die Straße ein bisschen ab und das musste man dann wieder reparieren und dann war die Straße gesperrt und das alles war in einem dichten Wald, der das ganze Tal bedeckte, aber durch diesen Wald fuhren wir jetzt nicht, weil wir den anderen Weg nahmen, also den, der ein bisschen länger war, aber dafür bei dem Wetter nicht so gefährlich und wir fuhren also durch die Ortschaften und in jeder dieser Ortschaften gab es irgendjemanden, den ich mal gekannt hatte oder noch kannte oder es gab eine Gastwirtschaft, in der mal irgendein Geburtstag gefeiert worden war, da und da hatte mal der und der oder die und die gewohnt und der oder die wohnte jetzt wahrscheinlich immer noch da, aber ich hatte keinen Kontakt mehr zu dem oder der und so weiter und der Weg, den wir fuhren, führte auch an einer Abzweigung vorbei und wenn wir die weitergefahren wären wir am Elternhaus meiner Großmutter vorbeigekommen, aber die war ja vom Hof ihrer Eltern ausgezogen, weil sie geheiratet hatte und dann war sie zwei Ortschaften weiter gezogen in einen anderen Bauernhof, um dort dasselbe Leben zu leben, das sie auch in ihrem Elternhaus gelebt hätte und wir waren ja unterwegs in dieses Dorf und zu dem Hof, in dem sie jetzt wohnte und deshalb bogen wir da nicht ab, sondern fuhren geradeaus und wir fuhren dann zwar in das Tal, das man auch auf diesem Weg durchqueren musste, um zu diesem Dorf zu kommen, nur war es hier eben nicht so steil und wir kamen dann an und das Heizöl wurde aus den Kanistern in die großen Tanks gefüllt und nebenan gab es eine Schmiede, da roch es immer nach Erde und altem Diesel, weil mein Großvater, als der noch gelebt und gearbeitet hatte, dort seinen Traktor aus einem großen Fass heraus betankt hatte und ich hatte nie herausgefunden und hatte auch nie beobachtet, wie dieses Fass eigentlich befüllt wurde, jedenfalls war an dem Fass eine kleine Handpumpe und die hatte mein Großvater dann bedient und hatte so den Traktor getankt und da gingen wahrscheinlich immer ein paar Tropfen vorbei oder so, auf jeden Fall roch es immer nach Erde und Diesel und ich mochte diesen Geruch und ich mochte auch den Geruch nach den Hühnern, die direkt neben der Schmiede einen Verschlag hatten, deswegen ging ich da immer gerne hin und hielt mich gerne auf inmitten all der Werkzeuge, die mein Großvater und auch dessen Vater schon benutzt hatte, um das Eisen zu schmieden und Hufeisen oder andere Sachen herzustellen, die man so gebraucht hatte, vor allem aber Hufeisen, denn die brauchte man in diesem Dorf in großer Zahl, weil da ja fast jeder von der Landwirtschaft gelebt hatte und bevor es Traktoren gab oder die sich jeder leisten konnte, hatte man eben Pferde benutzt und die brauchten Hufeisen aber jetzt hatte ich nicht soviel Zeit, um über all diese Sachen nachzudenken, weil das Heizöl umgefüllt werden musste und die Heizung musste dann ja auch wieder angeschaltet werden und es war nicht sicher, ob die einfach so wieder angehen würde, weil der Brenner ja weiter gebrannt hatte, als die großen Tanks leer gelaufen waren und das hatte dann eine Saugwirkung und es kam ja kein Öl mehr nach und die Leitungen waren dann wahrscheinlich voller Luft und jetzt, wo wieder Öl in den Tanks war und in die Leitungen drückte, da war wahrscheinlich die Luft ganz vorne am Brenner zusammengepresst und die Luft verhinderte so, dass das Öl in den Brenner kam und ohne Öl ging der natürlich nicht an und man musste dann ein Schräubchen am Ölfilter lösen, da konnte die Luft dann entweichen und dann machte man das Schräubchen wieder zu und wir machten das so und dann sahen wir schon, dass das Öl wieder in den Brenner kam und den konnte man dann wieder anmachen und das klappte auch alles und die Heizung ging wieder an und als die Heizung wieder lief waren wir damit fertig und dann gingen wir hoch zur Großmutter, wahrscheinlich durch den Keller, denn die Heizung war im Keller, den konnte man direkt durch eine Tür im Hof erreichen, unten am Hof war die Tür, direkt am Bürgersteig und wenn man durch diese Tür ging, dann stand man erstmal ganz im dunkeln, man musster erstmal Licht anmachen, eine einzelne Glühbirne war da, die gerade soviel Licht gemacht hatte, dass man das nötigste sehen konnte und dann war direkt rechts eine handbetriebene Maschine, mit der man Rüben klein mahlen konnte, da musste man an einem großen Rad drehen und damit wurde das Mahlwerk angetrieben und die Rüben wurden dann vorne durch so eine Öfnung reingeschoben und das war nicht ganz ungefährlich und tatsächlich hatte mein Vater sich dabei einmal verletzt und dabei fast eine Fingerkuppe verloren



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