Das 7. Drogenopfer

Gedicht

von  Janna


Sie standen dir Spalier zur letzten Ehre.

Mit Riesenkränzen, edler Blumenpracht

verscheuchten sie die unsägliche Leere.

Laut polternd schwand im schmalen Erdenschacht

die Handvoll Humus mitsamt Unbehagen.

Dann hat man sich erleichtert aufgemacht:

Ein Festmahl war im Gasthof aufgetragen.

Bei Schnaps und Wein hat man an dich gedacht.

Im Morgengrauen lallten sie besoffen:

Wir fühlen uns von seinem Tod betroffen.




Anmerkung von Janna:

2008

Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 niemand (18.08.26, 11:38)
@ Janna
Ich frage mich bei diesem Gedicht, warum der Titel "Das 7. Drogenopfer". Ist der von Dir im Gedicht geschilderte Vorgang nicht fast immer eine Zentrale bei Begräbnissen? Ist da nicht immer eine Menge Leute, die so tut als ob. Jetzt könnte ich mich natürlich fragen,waren es Angehörige, oder Fremde. Wenn es Angehörige waren. könnte dieses Gefühl von Gleichgültigkeit schwer verkraftbar sein, bei Fremden, die nicht selten nur mitlatschen um der gesellschaftlichen Pflicht wegen, muss man sich nicht wundern. 
Man könnte jetzt argumentieren, wenn ich den Titel bedenke, dass man bei einem Drogentoten mehr Mitgefühl zeigen sollte? Ich persönlich frage mich da warum? Wurde ein solcher zum Drogenkonsum gezwungen? Bitte das nicht als Provokation sehen, aber mir ist diese "besondere Betroffensein" seitens der Gesellschaft ein wenig suspekt. Da käme mir ein Kranker, der so garnichts für seine Krankheit kann und vielleicht jahrelang leiden muss, schon eher ins Bedauern. Mit liebem Guß, Irene

Kommentar geändert am 18.08.2026 um 11:39 Uhr

 Janna meinte dazu am 18.08.26 um 11:53:
Liebe Irene, eigentlich ist das ein sehr persönliches Gedicht. Der Titel bezieht sich auf die Notiz in der Tageszeitung, wo der "Vorfall" mit nüchternen Worten erwähnt wurde. 
Ich war bei dieser Beerdigung selbst anwesend, der Verstorbene war ein Freund und ich kannte die Familie, die Hintergründe, die zur Drogenkarriere führten, die übrigens mit 11 begann. Das "Betroffensein" sollte eigentlich satirisch rüberkommen. Natürlich haben die meisten nur so getan, als ob. Ich bin sogar überzeugt davon, dass zumindest eine Person froh war, dass endlich "Ruhe" war. Als er noch lebte, half ihm keiner, und als er ein Kind war, wurde er ständig verprügelt und weitergereicht. Der alkoholabhängige Vater, die Mutter, die gestorben ist, als er 2 Jahre alt war, der Missbrauch in der Kindheit, all das hat dazu geführt, dass er sich so zugerichtet hat, dass es irgendwann zu spät war. 

Danke für dein Reinschauen und liebe Grüße

Janna
Zur Zeit online: