Also langsam glaube ich, wir befinden uns gesamtgesellschaftlich in einer Phase kollektiver Verblödung oder, anders gesagt, gemeinschaftlich inmitten einer Demenzerkrankung. Ich könnte hier politisch werden und gebrochene Wahlversprechen, vergessene Bankkontakte, gelöschte SMS oder weitere Unerklärlichkeiten aufführen. So weit will ich aber gar nicht gehen. Immer wieder taucht in den Medien, genauer im Fernsehen in Sendungen, in denen Bürger zu Wort kommen, die Redewendung auf
„Als wir uns zum ersten Mal kennenlernten, …“
Das impliziert doch, dass sich Menschen immer wieder kennenlernen. Der Positive Aspekt dabei ist, dass sie sich wohl immer wieder kennenlernen, jedoch jedes Mal die gleichen sozialen Bindungen eingehen - sonst würden sie ja nicht darüber reden.
Offensichtlich vergessen sie die Begebenheit aber zwischendurch wieder, was, entsprechend den Krankheitsbildern von Demenzerkrankungen, für ein vermindertes Kurzzeitgedächtnis spricht. Das Rätselhafte an dieser Geschichte ist jedoch dies. Es scheint im Hirn einen Selektionsmechanismus fürs Vergessen zu geben, der auf einer Art Ereignisprotokoll oder Logfile beruht. Wie sonst ließe sich erklären, dass sich Menschen immer wieder kennenlernen müssen, weil sie es offensichtlich bereits vergessen hatten, sich jedoch der Tatsache bewusst sind, dass sie sich schon mal kennen gelernt hatten.
Bei Gelegenheit darf ich mich dann kurz vorstellen …