Destillierte Seelen

Gedicht zum Thema Traum/ Träume

von  RainerMScholz

Im Schneegestöber in der Nacht

bin ich plötzlich aufgewacht.


Die Sonnenstrahlen tanzen und peitschen

blondgelb durch das Gestrüpp,

in dem wir laichen.


Ich bin der aus der Scheide Geborene.


Im Innersten meines Kalvarienberges

zerbersten Träume,

kleine Heinzelmänner

torkeln mit blakenden Fackeln

durch das Gespinst,

eine Riesenlast

liegt auf ihren schmächtigen Schulter,

doch die krummen Beine

laufen und laufen.

Auch der Tod

sei relativ hier.

Und endlos

ist der steinerne Himmel.

Dann schrillt ein Pfeifen,

alle und alles,

Würmer, Asseln,

Maden und Spinnen

rennen von hinnen,

versteckt im Bau,

es dämmert das Grau,

das Licht erbricht.


Endlich.

Morgens um halb acht:

Oh Gott,

was ist das denn -

zwei Arme, drei Beine?!

Ach so. Liebling?

Schläfst du noch?


Mit Schaum vorm Muttermund.



© Rainer M. Scholz



Möchtest Du einen Kommentar abgeben?
Diesen Text kommentieren
Zur Zeit online: