HUMORVOLLE REPORTAGE ÜBER DEN LEGENDÄRDN 'RASENDEN REPORTER' EGON ERWIN KISCH

Reportage zum Thema Erinnerung

von  harzgebirgler

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PRAG / BERLIN – Es gibt Menschen, die gehen durch das Leben. Und es gibt Egon Erwin Kisch. Der Mann rennt. Und während er rennt, tippt er, telefoniert, raucht, beobachtet einen Taschendieb, führt ein Interview mit einem schwedischen Matrosen und rettet nebenbei die Wahrheit vor dem Verdursten.

Wenn man Egon Erwin Kisch treffen wollte, musste man entweder sehr schnell sein oder einfach im Café Montmartre warten. Irgendwann tauchte er auf, das Gesicht voller Neugier, die Taschen voller Notizblöcke, die er "Schreibmaschine" nannte. Er war der "rasende Reporter", ein Spitzname, den er sich durch pure Arbeitswut und das geschickte Marketing seiner eigenen Person selbst verlieh.


"Schreib das auf, Kisch!"

Kisch war kein Journalist, der sich hinter Schreibtischen versteckte. Er war der "Kehrrichtsammler der Tatsachenwelt", wie ihn der zynische Karl Kraus nannte – was Kisch als Kompliment verstand. Seine Jagd nach der Nachricht war legendär. Während andere Lokalreporter in Prag noch über den lokalen Kegelclub berichteten, saß Kisch schon im Leichenschauhaus, um zu sehen, wie der Tod bei Mondschein aussieht, oder verkleidete sich als Clochard, um die Welt der Obdachlosen zu verstehen.

"Die Sachlichkeit ist fantastisch", pflegte er zu sagen, und er bewies es, indem er aus dem Alltag ein Abenteuer machte. Er deckte Spionagefälle auf (den berühmten Fall Redl) und reiste um die Welt, immer auf der Suche nach dem, was nicht in der offiziellen Zeitung stand.


Tätowiert und überall

Er war so umtriebig, dass man glauben konnte, er sei an mehreren Orten gleichzeitig. Er reiste von Prag nach Berlin, dann nach Moskau, Mexiko und Australien, schickte stets Postkarten an seine Jarmila und vergaß dabei nie, die kuriosesten Anekdoten aufzuschnappen.


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Christian Schad: Bildnis Egon Erwin Kisch, 1928. Öl auf Leinwand.
Das Original befindet sich in der Online-Sammlung der Hamburger Kunsthalle.


Einmal ließ er sich sogar tätowieren – nur für eine Reportage, versteht sich. Christian Schad malte ihn später als "tätowierten Kisch", ein Abbild des Reporters, der sich die Wirklichkeit unter die Haut gehen ließ. Er war ein Wanderer zwischen den Welten: Prager Patriot, Weltreisender, und ein Kommunist, der seinen Humor auch in Festungshaft nicht verlor.


Das Telefon läutet immer

Ein Besuch bei Kisch war ein Erlebnis. Ein Reporterkollege berichtete, er wollte Kisch interviewen, doch kaum saßen sie da, klingelte das Telefon. Kisch telefonierte auf Deutsch, Russisch, Tschechisch, manchmal alles durcheinander. Nach drei Stunden war das Interview beendet, ohne dass der Kollege eine einzige Frage gestellt hätte. Aber er hatte ein ganzes Buch voller Anekdoten.

Egon Erwin Kisch hat den Journalismus revolutioniert, indem er zeigte: Die Wahrheit ist nicht langweilig. Sie ist nur ein bisschen rasend...


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https://de.wikipedia.org/wiki/Egon_Erwin_Kisch



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