Andromeda

Gedicht zum Thema Morgenstimmung

von  S4SCH4

Lass mir die Sonne in Bälde aufgehen

Und schenke einen neuen Tag,

Der, hat er auch nicht Geschenke im Sinn,

Daherkommt gegen die raubende Nacht,

Den finster verschachtelten Schacht,

 

In dem die Seelen unzähliger

Liegen wie Steine im Stein,

In dem der Seegrund spiegelt,

Was das Gesicht sonst oft verriegelt.

 

Lass die Sonne aufgehen, bitte,

Über Feldern aus geernteten Farben,

Die sich aus einer Welt schleichen,

Denn im Oktober nimmt das Jahr den Rest

Und hinterlässt bald nur ein Grau –

 

Die Farbe einer Mauer aus Granit,

Die um das Herrenhaus gezogen

Sorge trägt und Sorgen pflegt

Für etwas, das mich niederlegt.

 

Also lass mir einmal mehr die Sonne aufgehen!

Sterben kann ich in einem Licht

Besser als in dunkler Einsamkeit,

Und das Leben fällt mir leichter,

Wo es von allein vom Baume fiele,

 

Wo es dick und satt, ja schwer

Zu gehen weiß und mehr

Zu fallen nicht verzagt

Und einen neuen Anfang wagt.

 

Lass die Sonne darüber gehen

Und weder fluchen noch erflehen,

Wie mein Platz einst in der Krone war,

Wie mein Schatz einst in die Schätze sah,

 

Als neidlos sich die Blicke trafen

Und Finger, liegend in den Harfen,

Noch spielten wie die Engel, die,

Auf Erden keine Zukunft habend,

 

Auf ihren gebrochenen Flügeln spielten.

 

Lass ihnen die Sonne da

Und sag, es sei Andromeda.

 

Die im Gedenken eines Mannes

Kam und ihren Mann fand.



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