Ich bin heute Nacht nicht müde.
Müde war ich heute Mittag –
nach einem letzten Bacardi-Cola,
vor einem ersten Gin Fizz.
Die Straßen haben keine Lichter und
die Lichter keinen Schein.
Alles, was scheinbar ist,
ist dieser Weg.
Irgendwo am Rande,
einfach nur irgendwo
am Rande.
Die Erde ist mir Scheibe.
Beim Dart und am Rand der Scheibe
sind Löcher von Versuchen,
über etwas hinauszugehen –
mit Pfeil und ohne Bogen.
In der Steinzeit meines Lebens
gibt es keinen Bogen,
es gibt kein Rad,
aber den Kreis der Welt.
Und am Rand der Weg,
nahe am Abgrund,
ein Weg ohne Gefälle:
dunkel und still.
Ich bin heute Nacht nicht müde.
Müde war ich heute Mittag –
nach einem letzten Gespräch mit einer Dame
und vor dem ersten Streit.
Die Erde ist kein Zuhause;
sie mag ihre Häuser nicht.
Deswegen stürmt es immer,
sagt die Alte aus dem Wald.
Und sie sagt, es regnet, weil
niemand da sein wird,
wenn sie untergeht.
Sie strahlt aus Lust
und schneit aus Frust
den Frost herab.
„Ewiges Eis wird uns treffen“,
sagt die Alte, und:
„Ewige Lust wird uns verbrauchen.“
Ich bin heute Nacht nicht müde.
Müde war ich heute Mittag –
nach einem letzten Kaffee
und vor dem Besuch in einem Café.
Die Bar ist recht leer.
Mica steht da und fragt mich
nach einem Wunsch
für ein Getränk.
Sie macht mir gerne Drinks,
sie macht gerne Freude,
aber wir haben eine Grenze –
eine Brandmauer.
Diese lodert, knistert
wie ein Kaminfeuer in dieser
Nacht, die aus einem Oktober kriecht.
Wie eine Minute aus Sekunden
und wie daraus Stunden werden,
das kann ich bezeugen.
An der Theke sitzend
vergeht die Zeit mit Mica
wie im Flug –
ein Flug um die Scheibe Erde.
Und wir sitzen in einem Pfeil
und zielen auf sie,
verfehlen sie und uns,
bis die Nacht aufgefressen ist,
der Tag anbricht und
das erste Brot gebrochen wird.
Bis der Schleier um meine Braut,
der ich ewige Treue schwor,
vom Tageslicht genommen ist
und sie dort stehen lässt:
versteinert, starr und ohne Blut.
Ich bin heute Nacht nicht müde.
Und morgen?
Morgen werde ich es sein.
Und allein werde ich
den Weg in die Wüste finden
und Sterne sehen:
so groß wie Micas Augen,
so erhellt wie ihr Lächeln.
Und dunkel werde ich mich erinnern,
und still wird das Echo werden,
wenn die Scheibe klirrt
und ich nie war.
Ich bin nun müde.