Blut

Text zum Thema Kinder/ Kindheit

von  Gabyi

Mit harter Hand schlug er mir ins Gesicht
Ich taumelte, verlor mein Gleichgewicht
Schon tanzten schwarze Punkte vor den Augen
mein Schädel strudelte, dazu kam Ohrensausen

Flugs schoss das Blut aus meinem Kopf
dann riss er fest am meinem blonden Zopf
"Na warte nur, ich werd' dir Beine machen
beim Abendbrot gibt's nichts zu lachen"

Heiß rann der salzig-fahle Saft in meinem Schlund herab
ließ sich durch keinen kalten Lappen stillen. Kam jetzt das Grab?
Ich spürte einen ekligen, weil blutmetallischen Geschmack
Fast eine gute Stunde wartete ich, bis Gerinnung eintrat

"Was fällt dir ein, den Teppich zu beschmutzen?
Die arme Mutter muss jetzt wieder putzen
Behalt' das Blut gefälligst drin in deinem Leib
Du quälst uns einfach nur zum Zeitvertreib

Ich will nur eins, ich will, dass ihr pariert!"
Dabei hat er mein linkes Auge demoliert
"Ich werd' dir helfen!" schrie er und schlug zu
Kein Arzt half mir, kein Mensch hörte mir zu

So ging es immer weiter, immer gleich, tagaus, tagein
Und wenn es nicht so ging, war man zum Glück allein
"Blutsauger seid ihr" und "Ich schlag wie auf kalt Eisen"
Oft wünschte ich mir dann, wir wären Waisen

So sprach ein dummer, starrer, böser alter Mann
niemals wird er begreifen, was er mir hat angetan
Jetzt "lebt" er in der Hölle, Mitleid spür' ich nicht
Sein Selbstmitleid reicht ihm. Sein Motto ist Verzicht


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