Die Nachricht von der bevorstehenden Schließung des KV hat verständlicherweise unterschiedliche Gefühle ausgelöst. Schließlich ist diese Plattform für viele über Jahre hinweg ein fester Bestandteil ihres literarischen Lebens gewesen.
Dennoch glaube ich, dass nicht jedes Ende ausschließlich als Verlust betrachtet werden muss. Manchmal eröffnet gerade der Abschied von etwas Vertrautem neue Möglichkeiten, die wir zuvor kaum wahrgenommen haben.
Vielleicht finden einige in einem anderen Literaturforum eine neue Heimat, knüpfen dort Kontakte und setzen den Austausch fort. Andere entdecken womöglich, wie viel Zeit und schöpferische Energie ihnen plötzlich wieder für Dinge zur Verfügung stehen, die bisher zu kurz gekommen sind.
Ich persönlich freue mich darauf, mich künftig noch intensiver meinem gegenwärtigen Roman widmen zu können. Und eines weiß ich schon jetzt: Es wird nicht mein letzter sein. Daneben warten zahlreiche Bücher darauf, gelesen zu werden, meine Fotografien möchten wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen, und auch sonst gibt es noch vieles, wofür ich mir gern mehr Zeit nehmen möchte.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Die Verbindungen zu Menschen, die mir hier über die Jahre lieb und vertraut geworden sind, müssen mit der Schließung des KV keineswegs enden. Freundschaften und persönliche Nähe sind schließlich nicht an den Fortbestand einer Internetplattform gebunden.
Ich blicke deshalb mit Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Auf interessante Begegnungen, wertvolle Anregungen, bereichernde Gespräche und nicht zuletzt auf Menschen, die mir über die Literatur hinaus wichtig geworden sind.
Auch die weniger erfreulichen Erfahrungen gehören zu dieser Zeit. Sie haben mir zumindest eines deutlich gemacht: Wie und womit wir unsere begrenzte Lebenszeit verbringen, sollten wir möglichst selbst entscheiden.
Deshalb respektiere ich Jans Entschluss ohne Vorbehalt. Wer über so viele Jahre eine Plattform betreut, weiterentwickelt und am Leben erhalten hat, darf irgendwann auch sagen: Jetzt ist es genug.
Lieber Jan, ich danke dir für dein langjähriges Engagement, deine investierte Zeit und die Möglichkeit, hier eigene Texte zu veröffentlichen und anderen Schreibenden zu begegnen. Für deinen weiteren Lebensweg wünsche ich dir alles Gute, Gesundheit und vor allem die Freiheit, dich künftig den Dingen zu widmen, die dir persönlich am Herzen liegen.
Bis zur Schließung bleibt uns noch Zeit. Und was danach kommt, muss heute niemand wissen.
Ein Weg, der endet, nimmt uns schließlich nicht die Fähigkeit, neue Wege zu gehen.
Saira (Sigrun Al-Badri/ 2026)