Gefilterte Bilder
Gedicht zum Thema Erkenntnis
von AnneSeltmann
Kommentare zu diesem Text
Hallo Anne, schöne tiefe Gedanken zum Leben von Jung zu Alt, liebe Grpße Heidrun
Gut beschrieben Anne,
und man bekommt eine Idee davon, warum es die Gegenwart nicht leicht hat.
Beste Grüße,
Dirk
und man bekommt eine Idee davon, warum es die Gegenwart nicht leicht hat.
Beste Grüße,
Dirk
Ach, da sind Filter
Sowas aber auch
Sowas aber auch
ja, die Erinnerung trügt uns manchmal, je älter wir werden, liebe Anne. Eine Art Selbstschutz....
Sehr schön formuliert, diese Gedanken. lG von M.
Sehr schön formuliert, diese Gedanken. lG von M.
Ich beschäftige mich gerade sehr ausgiebig mit Erinnerungen, denn meine Enkelin wünscht, dass ich mich an meine Kindheit erinnere. So kommt mir dieses Gedicht gerade recht zum Innehalten, was genau ich da eigentlich tue. Faszinierend finde ich vor allem die Lückenhaftigkeit: Da sind einzelne, sehr klare Bilder und dann wieder über weite Strecken rein gar nichts. Warum hat sich gerade dieses eingeprägt, wo doch so vieles im Dunkeln bleibt.
Und je länger ich daran sitze, umso mehr bestätigt sich mir Dein Satz: "das schwere liegt oft tiefer unter den bildern" und je länger ich an der Oberfläche kratze, desto mehr taucht es auf. Manchmal denke ich dann: Ach hättest Du es doch lieber liegen gelassen.
Besonders poetisch finde ich den letzten Satz: die gefalteten Hände, die einen Eindruck von Unschuld vermitteln, als sei alles in Ordnung, und doch weiß man, es könnten durchaus Trugbilder sein, die da durch den Raum schweben.
Es ist ein ziemlich dickes Brett, das Du da auf die Hobelbank gelegt hast ... danke dafür!
liebe Grüße
Fridolin
Und je länger ich daran sitze, umso mehr bestätigt sich mir Dein Satz: "das schwere liegt oft tiefer unter den bildern" und je länger ich an der Oberfläche kratze, desto mehr taucht es auf. Manchmal denke ich dann: Ach hättest Du es doch lieber liegen gelassen.
Besonders poetisch finde ich den letzten Satz: die gefalteten Hände, die einen Eindruck von Unschuld vermitteln, als sei alles in Ordnung, und doch weiß man, es könnten durchaus Trugbilder sein, die da durch den Raum schweben.
Es ist ein ziemlich dickes Brett, das Du da auf die Hobelbank gelegt hast ... danke dafür!
liebe Grüße
Fridolin
Fridolin hat geschrieben:
Manchmal denke ich dann: Ach hättest Du es doch lieber liegen gelassen.
Erinnern an sich hält vom Leben ab.
Ebenso wie Schreiben.
Man merkt, dass Du ein wenig jünger bist als ich, lieber Verlo.
altezeit (42) schrieb daraufhin am 27.05.26 um 10:26:
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altezeit, bitte nicht den Kontext vergessen.
Wenn ich mich eine Stunde erinnere, bin ich in dieser Stunde in der Vergangenheit.
Der Volksmund sagt zu manchen Menschen "er lebt in der Vergangenheit", und meint damit, der erinnert sich an gute (oder schlechte) Zeiten und erlebt nichts, an was er sich in Jahren erinnern könnte, weil er sich nur erinnert.
Das kurze Erinnern, gemachte Erfahrungen aufzurufen, um richtige Entscheidungen zu treffen, ist ein vollkommen anderes Erinnern, aber es dauert nur Augenblicke, nicht Stunden oder Tage.
Wenn ich mich eine Stunde erinnere, bin ich in dieser Stunde in der Vergangenheit.
Der Volksmund sagt zu manchen Menschen "er lebt in der Vergangenheit", und meint damit, der erinnert sich an gute (oder schlechte) Zeiten und erlebt nichts, an was er sich in Jahren erinnern könnte, weil er sich nur erinnert.
Das kurze Erinnern, gemachte Erfahrungen aufzurufen, um richtige Entscheidungen zu treffen, ist ein vollkommen anderes Erinnern, aber es dauert nur Augenblicke, nicht Stunden oder Tage.
Fridolin, keine Ahnung, ob die 14 Jahre, die du älter bist, einen Unterschied beim Erinnern machen.
Vielleicht verstehe ich falsch, aber ich habe mich noch nie gefragt, wie mein Großvater als Kind gelebt hat.
Im Grunde interessiert mich überhaupt nicht, wie jemand als Kind gelebt hat.
Mich interessiert, warum jemand etwas tut. In diesem Zusammenhang ist die Kindheit oft ein Teil der Antwort.
Aber nicht immer: was auch immer in der Kindheit prägt, muß nicht bis ans Lebensende wirken.
Vielleicht verstehe ich falsch, aber ich habe mich noch nie gefragt, wie mein Großvater als Kind gelebt hat.
Im Grunde interessiert mich überhaupt nicht, wie jemand als Kind gelebt hat.
Mich interessiert, warum jemand etwas tut. In diesem Zusammenhang ist die Kindheit oft ein Teil der Antwort.
Aber nicht immer: was auch immer in der Kindheit prägt, muß nicht bis ans Lebensende wirken.
Fridolin, ich habe nicht die kleinste Idee, weshalb für mich wichtig sein kann, daß meine Enkel wissen, wie meine Kindheit war.
Was ich tatsächlich weitergeben möchte ist, was ich getan habe, um trotz nicht weniger negativer Erlebnisse und Erfahrungen aktuell mit meinem Leben zufrieden sein zu können, nicht verzweifelt zu sein, mein Leben nicht vorzeitig beendet zu haben, und mich damit unterscheide von vielen Leidensgenossen.
Aber, genau dafür interessiert sich keiner.
Die mächtigen Familien geben ihrer Erfahrungen weiter und werden immer mächtiger.
In den normalen Familien fängt jeder von vorn an, und kommt, wenn er Glück hat, etwas weiter als seine Eltern. Hat er Pech, bleibt er hinter seinen Eltern zurück.
Was ich tatsächlich weitergeben möchte ist, was ich getan habe, um trotz nicht weniger negativer Erlebnisse und Erfahrungen aktuell mit meinem Leben zufrieden sein zu können, nicht verzweifelt zu sein, mein Leben nicht vorzeitig beendet zu haben, und mich damit unterscheide von vielen Leidensgenossen.
Aber, genau dafür interessiert sich keiner.
Die mächtigen Familien geben ihrer Erfahrungen weiter und werden immer mächtiger.
In den normalen Familien fängt jeder von vorn an, und kommt, wenn er Glück hat, etwas weiter als seine Eltern. Hat er Pech, bleibt er hinter seinen Eltern zurück.
Antwort geändert am 27.05.2026 um 11:33 Uhr
Ich meinte das mehr in Hinblick auf "etwas unternehmen". Mir sind in den letzten Jahren da doch die Flügel ziemlich gestutzt worden. Was natürlich auch zur Folge hat, dass für das Erinnern mehr Zeit bleibt.
Die Kindheit ist für mich der Stamm im Baum des Lebens, und deshalb glaube ich schon, dass Prägungen bis ans Lebensende wirken. Allerdings nicht immer so, wie es sich der Gärtner vorgestellt hat. Die eindrucksvolle Geschichte Deiner Links-Rechts-Linkshändigkeit zeigt beides: Man kann Prägungen korrigieren, wirksam bleiben sie dennoch.
"Was ich tatsächlich weitergeben möchte ist, was ich getan habe, um trotz nicht weniger negativer Erlebnisse und Erfahrungen aktuell mit meinem Leben zufrieden sein zu können, nicht verzweifelt zu sein, mein Leben nicht vorzeitig beendet zu haben, und mich damit unterscheide von vielen Leidensgenossen."
Damit beschreibst Du doch sehr schön, um was es geht.
Die Kindheit ist für mich der Stamm im Baum des Lebens, und deshalb glaube ich schon, dass Prägungen bis ans Lebensende wirken. Allerdings nicht immer so, wie es sich der Gärtner vorgestellt hat. Die eindrucksvolle Geschichte Deiner Links-Rechts-Linkshändigkeit zeigt beides: Man kann Prägungen korrigieren, wirksam bleiben sie dennoch.
"Was ich tatsächlich weitergeben möchte ist, was ich getan habe, um trotz nicht weniger negativer Erlebnisse und Erfahrungen aktuell mit meinem Leben zufrieden sein zu können, nicht verzweifelt zu sein, mein Leben nicht vorzeitig beendet zu haben, und mich damit unterscheide von vielen Leidensgenossen."
Damit beschreibst Du doch sehr schön, um was es geht.
Antwort geändert am 27.05.2026 um 13:12 Uhr
Antwort geändert am 27.05.2026 um 13:16 Uhr
Friodlin, etwas unternehmen kann auch sein, über etwas zu sprechen, während man im Rollstuhl geschoben wird.
Das Erinnern an sich ist für mich keine Unternehmung, vielleicht Trost.
Erinnerungen zu Rate ziehen, ist kein Erinnern an sich, sondern man ist in der Gegenwart, blickt vielleicht in die Zukunft, und holt sich Rat aus Erfahren, die auch Jahrzehnte zurückliegen können.
Der Ansatz ist ein anderer.
Ob meine erzwungene Rechtshändigkeit mich als Prägung heute noch beeinflußt? Spontan sage ich nein. Auch wenn ich überlege, welche Beeinflussung vorliegt, fühlt es sich leer an.
Was mich definitiv immer noch beeinflußt, ist der Futterneid meines Stiefvaters und seine Reaktion: ich war bereits mit 10 Jahren intelligenter als er, und, warum auch immer, er hat sich immer davon bedroht gefühlt und entsprechend reagiert.
Das sitzt so tief, daß es immer noch wirkt, und ich keine wirkliche Lösung habe.
Wobei das nicht so schlimm ist: mein Stiefvater hat ja nicht außergewöhnlich reagiert, insofern hat er mich aufs Leben vorbereitet.
Es gibt auch noch andere Prägungen, die mich immer noch negativ beeinflußen, aber letztendlich geht es darum, wie ich damit umgeht.
Das Interessante an den Prägungen ist also nicht die Prägung an sich, sondern wie man mit den negativen Folgen umgeht, auch wenn man die Prägung selbst nie loswird, vielleicht nicht einmal abschwächen kann.
Sich darüber zu unterhalten, ist in meinen Augen auch eine Unternehmung, weil man in der Gegenwart ist und in die Zukunft blickt.
Erinnern an sich ... ich komme die Berge zu Fuß nur noch eingeschränkt hoch, auch kann ich in der Ebene nicht mehr so weit gehen wie noch vor einigen Jahren. (Auch nicht mehr mit meinem Liegerad so lange fahren.)
Jetzt könnte ich mich an die gute alte Zeit erinnern ... Aber ich habe mir ein Motorrad gekauft.
Und wenn ich nicht mehr Motorrad fahren kann, werde ich mir ein ATV kaufen.
Und wenn ich das nicht mehr fahren kann, lasse ich mich einschläfern.
Dabei werde ich ein Video ansehen mit meinen schönsten Erlebnisse in Norwegen und meine Lieblingsmusik hören.
Das Erinnern an sich ist für mich keine Unternehmung, vielleicht Trost.
Erinnerungen zu Rate ziehen, ist kein Erinnern an sich, sondern man ist in der Gegenwart, blickt vielleicht in die Zukunft, und holt sich Rat aus Erfahren, die auch Jahrzehnte zurückliegen können.
Der Ansatz ist ein anderer.
Ob meine erzwungene Rechtshändigkeit mich als Prägung heute noch beeinflußt? Spontan sage ich nein. Auch wenn ich überlege, welche Beeinflussung vorliegt, fühlt es sich leer an.
Was mich definitiv immer noch beeinflußt, ist der Futterneid meines Stiefvaters und seine Reaktion: ich war bereits mit 10 Jahren intelligenter als er, und, warum auch immer, er hat sich immer davon bedroht gefühlt und entsprechend reagiert.
Das sitzt so tief, daß es immer noch wirkt, und ich keine wirkliche Lösung habe.
Wobei das nicht so schlimm ist: mein Stiefvater hat ja nicht außergewöhnlich reagiert, insofern hat er mich aufs Leben vorbereitet.
Es gibt auch noch andere Prägungen, die mich immer noch negativ beeinflußen, aber letztendlich geht es darum, wie ich damit umgeht.
Das Interessante an den Prägungen ist also nicht die Prägung an sich, sondern wie man mit den negativen Folgen umgeht, auch wenn man die Prägung selbst nie loswird, vielleicht nicht einmal abschwächen kann.
Sich darüber zu unterhalten, ist in meinen Augen auch eine Unternehmung, weil man in der Gegenwart ist und in die Zukunft blickt.
Erinnern an sich ... ich komme die Berge zu Fuß nur noch eingeschränkt hoch, auch kann ich in der Ebene nicht mehr so weit gehen wie noch vor einigen Jahren. (Auch nicht mehr mit meinem Liegerad so lange fahren.)
Jetzt könnte ich mich an die gute alte Zeit erinnern ... Aber ich habe mir ein Motorrad gekauft.
Und wenn ich nicht mehr Motorrad fahren kann, werde ich mir ein ATV kaufen.
Und wenn ich das nicht mehr fahren kann, lasse ich mich einschläfern.
Dabei werde ich ein Video ansehen mit meinen schönsten Erlebnisse in Norwegen und meine Lieblingsmusik hören.
Fridolin, eine Unternehmung könnte auch sein: wie entkomme ich den negativen Auswirkungen von negativen Prägungen in der Auswirkung auf andere.
Mein Großvater hat Russen gehaßt, für die Russen ist jede Kugel zu schade, wir haben das Bajonett aufgepflanzt (in Stalingrad), sagte er nicht nur einmal. In der Schule hatte ich einen sadistischen Russisch-Lehrer. – Ich hasse Russen nicht.
Bill Gates Großvater bereits wollte alle impfen und hat damit Geld verdient. – Bill hat versagt.
Der Großvater von Friedrich Merz war ein glühender Nazi. – Friedrich hat versagt.
Mein Großvater hat Russen gehaßt, für die Russen ist jede Kugel zu schade, wir haben das Bajonett aufgepflanzt (in Stalingrad), sagte er nicht nur einmal. In der Schule hatte ich einen sadistischen Russisch-Lehrer. – Ich hasse Russen nicht.
Bill Gates Großvater bereits wollte alle impfen und hat damit Geld verdient. – Bill hat versagt.
Der Großvater von Friedrich Merz war ein glühender Nazi. – Friedrich hat versagt.
altezeit (42)
(27.05.26, 10:31)
(27.05.26, 10:31)
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