Als wäre

Pantun zum Thema Melancholie

von  Moppel


 

Als wäre unser Leben nie gewesen,

geht jeden Morgen neu die Sonne auf.

Ich frühstücke, ich schreibe etwas, lese.

Der Tag nimmt so, als wär nichts, seinen Lauf.

 

Und immer wieder geht die Sonne auf.

Und jeden Morgen läuft der Hund zur Tür.

Der Tag nimmt so, als wär nichts, seinen Lauf,

doch ich spür deine Hand nicht mehr bei mir.

 

Und jeden Morgen läuft der Hund zur Tür.

Dein Bild wird fremder mir am Memo-Board.

Ich spüre deine Hand nicht mehr bei mir

und niemand fragt nach dir noch hier im Ort.

 

Dein Bild wird fremder mir am Memo-Board.

Ich frühstücke, ich schreibe etwas, lese.

Und niemand fragt nach dir noch hier im Ort,

als wäre unser Leben  nie gewesen.



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Kommentare zu diesem Text


 EkkehartMittelberg (23.01.26, 12:07)
Hallo Moni,
neben dem Strudel des Vergessens wächst die Melancholie der Betroffenen.
Liebe Grüße
Ekki

 Moppel meinte dazu am 23.01.26 um 15:23:
ich würd es nicht Vergessen nennen, Ekki, es ist etwas Seltsames, das mich heute morgen so gedanklich befiel. Man muss ja loslassen. Sagt einem ja jeder...Aber wenn man das tut, wird einem das Foto fremder. Der geliebte Mensach aber bleibt weiter mit allen Erinnerungen in einem. Wirlich bedrückend. Danke und lG von M.

 AnneSeltmann (25.01.26, 06:38)
Guten Morgen Moppel!

Es liest sich für mich wie ein stilles Protokoll des Weiterlebens. Kein großes Pathos, kein Aufschrei – nur diese fast brutale Normalität, mit der der Alltag weitermacht...
Die Welt vergisst schnell- aber im Inneren bleibt etwas, das sich nicht einfach „neu starten“ lässt.
Fühl dich umarmt!!!

Liebe Grüße

Anne

 Moppel antwortete darauf am 25.01.26 um 14:54:
danke, liebe Anne. ja, dieses "Sich einfach weiter drehen"ist schmerzhaft. Aber man muss ja. Die Stilform des Pantuns, das Kreisförmige und Wiederholende schien mir für das Thema sehr passend. lG von M.
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