Glänzende Kristalle

Kurzprosa zum Thema Jahreszeiten

von  Mondsichel

Der Morgen kündigt sich am Horizonte an und sachte sinken sie hernieder, die glänzenden Kristalle, die reinen Kinder des Himmels. Sie tanzen mit dem Wind und drehen sich im Tanze, singend das Lied von Väterchen Frost, der lächelnd im Takte sein Zepter schwingt. Mit kaltem Kusse und leuchtenden Augen glittern sie in die Welt hinein und kuschelt sie in das wärmende weiße Kleid, das sie vor dem erfrieren beschützt.
Während aus den hell erleuchteten Zimmern der Menschen das Leben scheint, legt Tod sich auf das Angesicht der Welt. Ein stilles erstarren und versinken in Melancholie. So schlafen ein die Knospen die gerade sich noch reckten, träumend vom Frühling der viel zu nah erschien. Die Kälte hält sie fest in ihrem Bann und lässt sie nimmer gehen, so träumen sie den letzten Traum.

So kurz das Schauspiel des neu erwachten Lebens, so lang die weiße Zeit. Und doch pulsiert Sehnsucht in jedem Herzen und das Hoffen. In flackerndem Schein des Kamins, gehüllt in Decken und erwärmt vom brennenden Verzücken des Glühweins, wird auch in kalten Gliedern wieder Leben fließen. Vielleicht mehr als in den warmen Sommertagen, wo vom Überfluss des Lebens wir trinken.
Wir werden uns unserer Selbst bewusster, sehen auch Dinge die wir niemals sehen wollten. Denn in der dunklen Zeit bindet sich das zitternd eisige Band der Melancholie wie eine Geschenkschleife um unser Herz. So ist es ein himmelhochjauchzender, zu Tode betrübter Tanz mit den Schneeflocken die von morgen singen. Und während ein Lebensfunke vergeht, beginnt ein anderer neu, oder erwacht aus tiefem Schlafe, dort im ewigen Kreislauf der Zeit.

Ach weiße Welt, Du bist eine so schöne Braut. In jedem Jahr, immer wieder. Und vielleicht sind die Schneeflocken ja die Tränen, die man um Dich weint...

(c)by Arcana Moon


Anmerkung von Mondsichel:

Ach ja, es schneit in Berlin. Sieht so wunderschön aus ^^

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