Gegenwärtig eindrücklich

Sonett

von  Isaban


 

Die Raublattastern tuscheln struppig,

Cosmeen senken knickhalsig die Köpfe,

zwei Silberdisteln salutieren schuppig

und Pfaffenhütchen kullern hin wie Knöpfe:

 

Der Igelkönig residiert im Fallobst,

das Wespenvolk umschwirrt ihn wirr,

wobei im Efeu Hintergrundgesang tobt.

Ein Taubenschwänzchen saugt wie irr

 

Hibiskusblütenkelche leer;

gleich überm Haus und dunkelschwer

hockt träge dräuend Wolkenheer,

 

tiefschwanger, niederkunftsbereit -

der Westwind weht, ein Schreihals schreit,

die welke Linde schneit und schneit.



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Kommentare zu diesem Text


 Agnete (29.10.22, 15:47)
ein schwermütiger Blick auf die Welt. Doch schön,. dass du mal wieder da bist, Isaban. Die vielen männlichen Endkadenzen machen es hart. Aber sollte wohl so sein. Denn die Zeiten sind hart.LG von Agnete

 Ferdi (29.10.22, 16:30)
Ein Leben war's im Ährenfeld
Wie sonst wohl nirgends auf der Welt.
Musik und Kirmes weit und breit
Und lauter Lust und Fröhlichkeit.

Die Grillen zirpten früh am Tag
Und luden ein zum Zechgelag.
Hier ist es gut, herein, herein!
Hier schenkt man Tau und Blütenwein.

Der Käfer kam mit seiner Frau,
Trank hier ein Mäßlein kühlen Tau,
Und wo nur winkt ein Blümelein,
Da kehrte gleich das Bienchen ein.

Den Fliegen ward die Zeit nicht lang,
Sie summten manchen frohen Sang.
Die Mücken tanzten ihren Reihn
Wohl auf und ab im Sonnenschein.

Das war ein Leben ringsumher,
Als ob es ewig Kirmes wär.
Die Gäste zogen aus und ein.
Und ließen sich's gar wohl dort sein.

Wie aber geht es in der Welt?
Heut ist gemäht das Ährenfeld,
Zerstöret ist das schöne Haus,
Und hin ist Kirmes, Tanz und Schmaus.
Ist Hoffmann von den Toten auferstanden?

Kommentar geändert am 31.10.2022 um 09:24 Uhr

 DanceWith1Life (29.10.22, 16:51)
amazing, lach
btw
das Kommentarkaleidoskop gefällt mir.

Kommentar geändert am 29.10.2022 um 17:04 Uhr

 AZU20 (29.10.22, 19:55)
Sehr eindrücklich. Schön wieder etwas von Dir zu lesen. LG

 Quoth (29.10.22, 20:37)
Hallo Isaban, am zweiten Wort habe ich herumgedoktert und habe schließlich gut gefunden, dass der Diogenes-Verlag weiterhin "rauh" statt "rau" schreibt. Ich wollte mich schon mit dem Raub-Latta-Stern anfreunden! Man kann ja nicht alles kennen in der Natur!
Schönes Naturgedicht, das freilich die dialektische Sonettform nicht braucht, sie letztlich auch ignoriert und überspielt, und darin liegt auch ein Reiz.
Gruß Quoth
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