Erhebt sich da ein dreister Finger
[gehört der einem Meistersinger?]
der darauf pocht, erlernte Regeln
in dies und jenes einzupegeln?
Man hat ja schließlich nicht gebüffelt,
damit ein Werk nach Freiheit müffelt.
Pfu Deibel allem allzu Freien! -
das will solch Gilde nicht verzeihen.
Man dünkt sich edler, dünkt sich besser
[der Zollstock stammt von Beck & Messer]
man will als Künstler doch auf Erden
nicht wabern, nicht konturlos werden!
Man kennt ja alle, kennt fast blind,
die freiwillig verregelt sind.
Das „Mann an Mann“ gleicht eine Mauer,
so mauert man und wird schnell sauer,
sobald sich jemand hier erdreistet
und etwas bar der Regeln leistet.
Solch Zeilen haben gar nichts Hehr’s -
wer das verbricht, der ist pervers!
Kommt der, naiv, mal angeloofen,
wird man ihn vor dem Vortrag strophen!
Der soll auf keiner Nase tanzen -
dem Meister nicht und nicht den Schranzen!
Dem zeigt man, gegen sein Gefasel,
was eine Stanze ist, ein Ghasal.
Der macht sich hier nicht breit und fett,
es sei, der Meister ist so nett
und fragt ihn nach der Villanelle.
Doch schwimmen ihm davon die Felle,
dann lernt er hier, im Großen/Ganzen,
was Elegien sind und Stanzen,
Akrosticha und Leberreime -
die killn den freien Vers im Keime!
Hier zähln der Freiheit ihre Milben
nicht! Doch das Pötchen zählt bald Silben!