Weiß

Kurzprosa zum Thema Beobachtungen

von  niemand



Der Blick durchs Fenster geht ins Weiß, in seine glotzende Leere. Wie ein Blatt Papier, das nach Inhalt schreit, starrt es mich an, doch ich weiß kein Wort. Das Kind in mir wüsste es bestimmt, aber ich weiß nicht wo ich es finden könnte, weiß nur um die Begeisterung in seinem frischen Gesicht, um die Freude bei jeder Flocke, die vom Himmel fiel. Vielleicht der Vogel, dort auf dem Weißdorn, im Garten? Springt er doch so lebendig, als fehlte ihm nichts. Doch was weiß ich schon vom Gefieder. Bin doch kein Ornithologe. Schreiben, es beschreiben, ja, aber wie? Keine Jubelgesänge in mir, keine Idee zu dem Weiß dort. Außerdem hasse ich jetzt jede Übertreibung. Das machen schon andere. Im Moment ist es still. Muss heute Nacht gefallen sein, weiß nicht wann, weiß aber warum. Es ist Winter. Zwei Tauben schaukeln auf einem Baum. Ab und an löst sich etwas Weißes aus den Zweigen und pulvert herunter. Der kleine Vogel putzt sich vergnügt. Flieg doch, denke ich. Und, als wäre es Telepathie, erhebt sich dieser und flattert davon. Vielleicht in den nächsten Baum, vielleicht auch weiter. Was weiß denn ich? Für einen Moment löst sich das Grau des Himmels auf und ein runder, weißer Fleck erscheint darauf. Die Sonne, weiß und Glut leer. Bald schneit es wieder, denke ich und in der Tat, es fällt. Der Blick auf das Haus hinter dem Garten verhängt sich. Wie eine weiße Tüll-Gardine, immer dichter und dichter. Irgendwann, denke ich, geht das vorbei und dann, dann kommt mir das Mausgrau des fernen Hauses bunt vor. So richtig bunt. Kaum zu glauben. Morgen, übermorgen, oder auch später, ganz bestimmt, das weiß ich.



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Kommentare zu diesem Text


 Teo (10.01.26, 14:21)
Sehr einfühlsam geschrieben.
Aber sag mal...kann es sein, dass Vögel grundsätzlich rar werden?
Wir haben einen großen Garten, trotzdem lässt sich da kaum ein Vögelchen sehen.
Es grüßt 
Teo
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