Jasmin von der elften Etage oder Die wirren Gedanken der nach Mindestlohn bezahlten Bürohilfskraft Roland W. im Jahr 2035 am Aktenvernichter im Keller der volldigitalisierten Konzernzentrale.

Verserzählung zum Thema Ausbrechen

von  TassoTuwas

Er möchte manches mal das Neonlicht erschießen

und über sich bei Nacht den Sternenhimmel sehn

er möchte täglich alle Leuchtreklameschilder gießen

bis aus der Sonderangebotsflut Blätter sprießen 

und mit Jasmin in ihrem Schatten stehn 


Er möcht den Straßenlärm in Scheiben schneiden

so dünn dass bunte Vögel sich draus Nester bau'n

er stellt sich vor die Stadt mit allen Eingeweiden

auf links zu drehn und könnte sich danach gut leiden

doch hat er es verlernt sich was zu trau'n


Drum treibt er lebenslänglich hin auf kleinen Wellen

hegt die Erinnerung an einen Bach mit Weidenrand

an Rosenduft an frühen Tau an schwirrende Libellen

und treibt doch immer nur um die selben Stellen

er ahnt die Dinge die ihm einst bekannt 


Und plötzlich zerren an ihm hunderttausend Fragen

wer weiß ob die Kastanien noch im Frühjahr blüh'n

in dieser Zeit wer will das mit Bestimmtheit sagen

was er nicht weiß danach kann er Jasmin befragen

er glaubt das Gras war früher mal grasgrün


Er möchte Spatzen frisches Knäckebrot hinstreuen

und weiß dabei nicht mal ob es noch Spatzen gibt

die Ungewissheit lässt ihr Aussterben bereuen

wie mag es sein sich über kleines Glück zu freuen

und Zeit besitzen prall und ungesiebt


Dann wollt er über kochend heißen Asphalt laufen

wo er den Fuß hin setzt müsst nasser Rasen blühn

und Sturm und Regen sollten seine Haare raufen

für solchen Tag würd alle Zweifel er verkaufen

und eine Frage richten an Jasmin

  




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Kommentare zu diesem Text


 Aber (30.01.26, 00:34)
Das gibt zu denken, Bro.

Kommentar geändert am 30.01.2026 um 00:39 Uhr
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