Dieses fiktive Gespräch findet im Jahr 1955 in J. Edgar Hoovers Büro im Justizministerium in Washington D.C. statt. Hoover hat Linus Pauling, den Nobelpreisträger für Chemie, zu einem "informellen Gespräch" vorgeladen, da Paulings Engagement gegen Atomwaffenversuche dem FBI zunehmend Sorgen bereitet.
J. Edgar Hoover: (sitzt hinter einem massiven Schreibtisch, spielt mit einem Füllfederhalter) Setzen Sie sich, Dr. Pauling. Ich schätze es, wenn Wissenschaftler Zeit für ihren direkten Vorgesetzten finden – die amerikanische Öffentlichkeit.
Linus Pauling: (setzt sich ruhig, wirkt entspannt) Danke, Direktor Hoover. Ich hoffe, meine Forschungsergebnisse zur Proteinstruktur sind von öffentlichem Interesse. Ich nehme an, das ist der Grund für meine Einladung?
Hoover: (lächelt dünn) Ihre Forschung ist brillant, keine Frage. Aber ich bin kein Chemiker. Ich kümmere mich um die Sicherheit dieses Landes. Und mir bereiten Ihre... Aktivitäten... Sorgen. Sie scheinen in letzter Zeit viel Zeit mit 'kriminellen Elementen' zu verbringen, Doktor.
Pauling: Kriminelle Elemente? Ich treffe mich mit Kollegen, Physikern, anderen Nobelpreisträgern. Wir sprechen über den radioaktiven Niederschlag von Atomtests. Ich sehe darin keinen Verstoß gegen das Gesetz, sondern eine moralische Verpflichtung.
Hoover: (lehnt sich vor) Die KPUSA – die Kommunistische Partei der USA – ist eine kriminelle Verschwörung, die darauf abzielt, die Vereinigten Staaten zu untergraben. Wenn Sie Petitionen unterschreiben, die von Frontorganisationen dieser Partei initiiert wurden, machen Sie sich mit ihnen gemein. Es ist eine Frage der Ordnung, Dr. Pauling. Ordnung gegen Chaos.
Pauling: Ordnung ist gut, Direktor. Aber eine Ordnung, die dazu führt, dass Kinder Strontium-90 in ihren Knochen haben, ist keine Ordnung, die ich unterstütze. Sie verwechseln lautstarken Widerspruch mit Landesverrat. Ich bin ein treuer Amerikaner. Ich unterschreibe, was ich für richtig halte, nicht was die Partei vorschreibt.
Hoover: (öffnet eine Akte auf dem Tisch) Sie haben eine sehr... liberale Sicht auf Loyalität. Wir sehen eine Tendenz, Dr. Pauling. Erst der Widerstand gegen den Krieg, dann die Verteidigung von Leuten, die wir 'sicherheitstechnisch überprüfen'. Es ist ein kurzes Stück von der Kritik an der Regierung hin zur Sabotage.
Pauling: (mit einem sarkastischen Lächeln) Ich hoffe, Sie finden nicht auch noch 'kriminelle Elemente' in meiner Arbeit über die DNA-Helix. Vielleicht sind die Atome ja auch kommunistisch, weil sie sich 'rot' färben?
Hoover: (seine Stimme wird eiskalt) Unterschätzen Sie meine Behörde nicht, Doktor. Wir haben das FBI aufgebaut, um die Nation vor Schädlingen zu schützen – ob sie nun Bomben werfen oder mit 'Fakten' die Moral des Volkes zersetzen. Wenn Sie Ihren Einfluss nutzen, um den Bau besserer Waffen zu behindern, machen Sie sich verdächtig.
Pauling: Ich nutze meinen Einfluss, um zu verhindern, dass die Menschheit sich selbst auslöscht. Wenn das kriminell ist, dann bin ich gerne ein Krimineller. Aber ich werde mich nicht einschüchtern lassen.
Hoover: (schließt die Akte lautstark) Das haben Sie mir vorhin schon gesagt. Wir werden Sie im Auge behalten, Dr. Pauling. Nicht weil ich es will, sondern weil es meine Pflicht ist. Die 'kriminellen Elemente' haben viele Gesichter – manchmal tragen sie einen weißen Kittel.
Pauling: (steht auf) Und manchmal, Direktor, tragen sie einen guten Anzug und sitzen in diesem Büro. Guten Tag, Mr. Hoover.
Anmerkung: Dieses Gespräch basiert auf der dokumentierten Tatsache, dass Hoover Pauling als "Sicherheitsrisiko" betrachtete, seine Akte persönlich prüfte und Paulings Pazifismus als kommunistisch unterwandert ansah.
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