Gefühlte 100 Jahre

Gedankengedicht

von  Inlines

Und jetzt
wo mich nichts mehr richtig schütteln kann
ich ausgelebt habe
wozu es mich innerlich so drängte
ich herausgefunden habe
wo die Grenzen meines Lebens bleiben
lässt das Feuer langsam nach
mit dieser Welt zu spielen
aus Angst
dass sie dabei zerbricht.

Wachsam vor Veränderung bin ich geworden.
Und sehe keinen Sinn in Überwindung
um im Augenscheine eines schönes Mädchens
eine Wertung zu erfahren.
Habe die Zeugungsfähigkeit abgegeben
weil kleinen Kindern nicht so früh
der Vater fehlen soll.

Solche Tage
welche wie auf Schnüren gleiten
Andenken
die ich verliere
ohne dass mir etwas fehlt.
Geschenke
die mich nicht zu Öffnen reizen

Ich lerne immer mehr für Tests
die ich nicht selber schreibe.
Sage auf Widerstand stossend
die Dinge
die ich mir einst so erhoffte
dass sie jemand zu mir sagt.
Mache täglich leichter Hand
was ich von meinen Eltern zu erfahren
aufgegeben habe.

Ich versuche
meine Kinder vom Hochseil fernzuhalten
und spüre selber immer weniger
die Tage auf dem Hochseil
wo geprägt von höherer Gewalt
gestorben hätte werden können
mit 17 oder 18 Jahren
wenn das Blut noch in Gesichter schiesst
und dein Inneres noch Sprünge unternimmt
auch dann
wenn sie im freien Fallen münden.

Ich durfte älter werden
und bei Zeitgenossen
ein paar Eigenheiten binden.
Durfte sehen
was den jung Gestorbenen verborgen blieb.

Darf anfangen zu ertragen
dass ich nicht für immer eine
Wirkung haben kann

und irgendwann auch nicht mehr sollte.


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Kommentare zu diesem Text


 Hannes (09.03.26, 20:26)
Puhhh, was für ein Text, was für eine Sprache !
Und welch bewegende vier letzte Zeilen, 
die einen nicht nur berühren,
sondern nach einem greifen.
Danke
Der
Hannes
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