Tritt in den eigenen Hintern

Alltagsgedicht zum Thema Hoffnung/Hoffnungslosigkeit

von  Moppel

 

 

Genieß den Quark mit Erdbeern auf dem Brot,

auf dem Brioche, das du schon immer liebst.

Sei dankbar, hast nicht finanzielle Not

und bete, dass dies Polster dir wohl blieb.

 

Genieß den Hund, der immer nah dir ist,

der dich so braucht, genauso wie du ihn.

Sei dankbar, dass du nicht alleine bist,

mag er auch noch so an der Leine ziehn.

 

Genieß den Tag, der dich in Stille hüllt

und dir Gedanken für Gedichte schenkt.

Sei dankbar für den Leser, der erfüllt

sie liest und manchmal dabei an dich denkt.

 

Genieß den Anruf, der da kommt, dir zeigt:

Da ist noch jemand und auch er hat Sorgen.

Sei dankbar, einer nimmt sich für dich Zeit,

erhellt den Abend bis zum nächsten Morgen.

 

Doch du willst gern im Selbstmitleid zerfließen?

Dann bitte! Sei so dumm, gib dir den Rest!

Anstatt was dir noch bleibt, noch zu genießen,

im Frühling, der dich wieder horchen lässt?

 

So wenig hast du nicht! - Drum akzeptier:

Der Schmerz wird bleiben, wird ein Teil von dir.

Der andre Teil jedoch ist frei, zu lachen

und was ihm grade so beliebt, zu machen.

 

Wer kann das schon von seinem Leben sagen?

Ein jeder hat sein Päckchen doch zu tragen.

Drum stelle deins für eine Weile neben dich,

auf einer Bank am See im hellen Sonnenlicht.

 

 

 

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 Saira (16.03.26, 10:56)
Es ist, als würdest du mit dir selbst sprechen, mit dem Teil in dir, der müde ist, und mit dem anderen, der dich sanft am Ärmel zupft und sagt: Schau, es ist noch etwas da.

Diese kleinen Dinge, die du nennst – das Erdbeerbrot, ein Anruf am Abend – dein Hund (er ist etwas Besonderes, etwas Großartiges) ... sie sind wie kleine Lichter. Man übersieht sie leicht, wenn das Herz schwer ist. Aber du hast sie gesehen und aufgeschrieben.

Besonders schön finde ich dein Bild am Ende: das Päckchen für eine Weile neben sich auf eine Bank zu stellen, im hellen Sonnenlicht am See. Man muss es nicht für immer tragen. Man darf auch einmal nur sitzen, atmen und schauen, wie das Wasser still vorbeizieht.

Dein Gedicht wirkt auf mich wie ein leiser Versuch, dich selbst ein wenig zu halten. Und ich glaube, darin liegt schon viel Stärke.

Ich sende dir einen warmen Gedanken, Moppel.

Liebe Grüße
Saira

 Moppel meinte dazu am 16.03.26 um 12:56:
js, genau so ist es, Saira. Animiert haben mich auch diverse sehr traurige Gedichte anderer Autoren, hier und anderswo, die mich erschreckten und mir zeigten, dass man selbst aktiv werden muss. Sehen WOLLEN muss. Damit man wieder frei wird.
Natürlich ist das ein Weg. Aber der erste Schritt muss von dem Menschen selbst kommen. Darum dachte ich, dass es manchen in anderen schwierigen Situatioen vielleicht auch motivieren kann.
Darum auch die kleinen Alltagsbilder. Denn unser ganzes Leben besteht aus kleinen Alltagsbildern... ;) lG von M.

 Didi.Costaire (16.03.26, 14:20)
Ein ehrliches Gedicht aus dem nicht mehr ganz so prallen Leben,  gut gelungen.

Liebe Grüße, 
Dirk
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