eine waldschnepfe saß am rande eines schlammigen grabens und betrachtete mit hochmut ihr langes, stolzes federkleid, das im braunen unterholz fast unsichtbar war. „sieh mich an“, rief sie einem distelfink zu, der emsig an einer vertrockneten distel pickte. „ich besitze die farbe der erde selbst. ich bin groß, mein schnabel ist ein instrument der präzision, und ich lebe im verborgenen der edlen wälder. du hingegen bist winzig, bunt wie ein gaukler und musst dich mit den abfällen der felder begnügen – mit der spreu und den harten samen, die keiner will.“
der distelfink hielt inne, eine kleine feder am kopf glänzend rot. „es ist wahr“, antwortete er sanft, „ich sammle, was übrig bleibt. ich suche den weizen zwischen den halmen und die samen in den disteln, die andere verschmähen.“
„lächerlich!“, lachte die schnepfe und spreizte die flügel. „ein vogel von welt gibt sich nicht mit mühsal ab. man muss sich rar machen, um wertvoll zu sein. wer im staub pickt, bleibt staub.“
in diesem augenblick raschelte es im gebüsch. ein jäger trat hervor. die schnepfe, überzeugt von ihrer größe und ihrer vermeintlichen unantastbarkeit, harrte stolz aus, fest im glauben, ihre tarnung mache sie zur herrscherin des waldbodens. doch ihre eigene einbildung wurde ihr zum verhängnis: als sie im letzten moment schwerfällig aufflog, um ihre pracht zu zeigen, war sie ein leichtes ziel.
der distelfink aber, klein und flink, schwang sich mit einem fröhlichen lied in die lüfte. er war so unscheinbar in seiner geschäftigkeit, dass der jäger ihn gar nicht bemerkte. während die schnepfe in der tasche des jägers landete, saß der fink bald darauf wieder an seiner distel...
