Draußen schien die Sonne, die Vögel zwitscherten wie sie es tun, wenn kein Großstadtlärm die Atmosphäre verstört und manche Bäume trugen schon Blüten. Nur ich saß an meinem Schreibtisch vorm großen, mehrgeteilten Fenster, vor mir klingelte das Telefon. Eine Chemikalienfirma bestätigte meinen Bestellungseingang und informierte mich, dass die gewünschte synthetische DNA nicht mehr lieferbar sei. Ich bedankte mich und plante in Gedanken schon die nächste Messreihe mit einem anderen DNA-Polymer, das auch ins Schema passte, aber - hoffentlich - besser verfügbar war. Ich wandte mich wieder den Auswertungen der Messergebnisse zu, bis übermorgen mussten die Diagramme fertig werden. Hoffentlich schaffe ich es, dachte ich. Gleich musste ich mich wieder in den engen Faradaykäfig quetschen, der innen durch eine XBO/Hg- Lampe erleuchtet war, mit meinem dicken Bauch, 8. Monat. Gern schob ich den Gedanken noch ein wenig vor mir her. Täglich im Käfig, neben Detektionslampen, Oszillatoren und Photomultiplyern, was wohl mein Baby in meinem Bauch von mir denken musste. Damals, im Faradaykäfig - im Faradayweg.
aus: "Berliner StattPläne"
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