Mein Opa hatte ein Altstadt-Haus am Meer an der Ostsee in Norddeutschland nahe der dänischen Grenze. Meine Mutter wohnte auch dort mit ihrer Familie, meinem Vater, mir und meinen beiden Brüdern. Das Haus stand nicht direkt unmittelbar am Meer, es gab noch eine Häuserreihe, eine Baumallee und einen Bunker dazwischen. In der Baumallee, die Jungfernstieg hieß, fand zweimal wöchentlich ein Wochenmarkt statt. Dort kaufte meine Mutter sämtliches frisches Gemüse wie Kohlköpfe und Suppengrün ein. Nudeln wie Makkaroni, Reis, Soßenpulver und Zigaretten holten wir Kinder vom blinden Krämer Straßburger und Milch und Sahne bei Frau Hansen in ihrem Milchladen. Den Rest gab es bei Bedarf beim Kolonialwarenhändler oder im Konsum. Meine Mutter sah ich niemals in einem Laden Lebensmittel einkaufen, das machten immer wir Kinder. Mein Vater brachte aus der Finanzamtkantine Haferflocken von Kölln für unser Frühstück mit. Wo Salz, Zucker oder Mehl herkamen, weiß ich nicht. Butter aßen wir niemals, stattdessen nur Rama, Sanella oder Flora Soft Margarine. Wenn einmal nicht auseichend Haferflocken im Haus waren, prügelten mein jüngerer Bruder und ich uns bis aufs tiefste Blut. Meine Mutter lag dann noch im Bett. Als dann mein Opa mit 87 Jahren starb, wurde alles anders und wir zogen in einen anderen Stadtteil.
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