Der Download fürs Leben

Gedicht zum Thema Internet

von  Saira

Frau Lotte saß in ihrem Zimmer,
und seufzte leis, schon müd und schwer,
der Alltag zog sich immer schlimmer,
und nichts gefiel ihr nimmer mehr.

Zu wenig Glanz, zu wenig Schwung,
zu viel von diesem Alltagstrott,
gibt’s dafür nicht `ne Anwendung?
Das wär doch wahrlich ziemlich flott.

Sie kramte suchend in der Lade,
fand Brille, Bonbon, etwas Mut,
und dachte dann, ganz ohne Frage:
Für alles gibt es Apps – wie gut.

Ein Klick für Freude, das wär fein,
ein Wisch – schon hat es seinen Sinn,
ein Update greift ins Trübe ein,
und schenkt ihr lächelnd Sinngewinn.

Die Welt, sie blinkt in jeder Hand,
so vieles steht für uns bereit,
wer braucht noch Herz bei all dem Tand,
in dieser rasend schnellen Zeit?

Ein leises Klopfen an der Tür,
kaum hörbar und doch seltsam nah,
kein Läuten klang vernehmlich hier,
dass draußen jemand wartend war.

Ein Kind mit Wind im Haar ruft laut,
„Komm bitte raus, ich zeig dir was!“
Frau Lotte zögert kurz und schaut,
dann folgt sie ihm durchs grüne Gras.

Ein kleiner Hund springt flink vorbei,
rutscht aus im nassen Grün ganz sacht.
Frau Lotte lacht und schaut dabei,
wie ungeschickt er Haken macht.

Sie geht hinaus, ihr Blick wird klar,
ihr Schritt wird ruhig, sicher und frei,
kein Klick ersetzt, was eben war,
sie lässt das Trübe nun vorbei.




 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



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Kommentare zu diesem Text


 Moppel (24.03.26, 18:26)
sehr anschaulich beschrieben, Saira und so wahr. Das Leben spielt nicht im Internet, sondern in der Realität. lG von M.
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