Herr Fallbert Stolper

Gedicht zum Thema Erkenntnis

von  Saira

Herr Fallbert Stolper stürzte nicht.
Der Abend kam ihm zuvor,
früher als vorgesehen.
Ein Wort verfehlte die Zeit
und setzte sich fest.


Antworten blieben aus.
Sie warteten irgendwo.
Die Ausreden dagegen
lösten sich leicht,
reif geworden.
Herr Stolper ließ zurück,
was ihn schon verlassen hatte.

Blätter ruhten auf dem Weg.
Der Halt lag bei ihnen.
Vertrauen gab nach.
Geräuschlos.
Wie etwas,
das still müde wird.

Herr Stolper geriet aus den Wolken
und erkannte,
dass er längst unterwegs war.

Ein Fehltritt wog.
Ein Urteil folgte.
Er ging ins Schweigen,
ins Erinnern,
ins Begreifen.

Zwischen Fallenstellen
und Fallenlassen
lag der Unterschied.

Am Ende ging nichts mehr zu Boden.
Nicht er.
Nicht der Halt.
Nur die Schwere blieb.
Und das Ankommen.

 

 

 

©Sigrun Al-Badri/ 2026



Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Kommentare zu diesem Text


 Didi.Costaire (20.01.26, 11:38)
Moin Sigi,

ein feines Gedicht.

ich hoffte noch, dass Fallbert
beim Stolpern nur so albert,
doch ist es mit der Tölpelei
wohl nun für alle Zeit vorbei. 

Mit besten Wünschen, 
Dirk

 Saira meinte dazu am 20.01.26 um 13:30:
Lieber Dirk, dein Wortgewicht
verrät: Du meinst das Stolpern nicht
als bloße Posse, schnellen Witz ...
es trägt den Ernst in leichtem Schritt.


Herzliche Grüße
Sigi

 KriegerinDerTräume (20.01.26, 12:23)
"Ein Wort verfehlte die Zeit
und setzte sich fest." Das gefällt mir. Das würde ich mir auch bei mir wünschen. :-D

 Saira antwortete darauf am 20.01.26 um 13:32:
Manchmal trifft ein Wort nicht den Moment, sondern bleibt einfach sitzen und wartet.  :)


LG
Saira

 KriegerinDerTräume schrieb daraufhin am 20.01.26 um 13:39:
Bei dir warten Worte nie, meiner Meinung nach. Und sie treffen immer den Leser. Nur mein Empfinden. Ob ich das Gedicht richtig verstanden habe, weiß ich nicht. Aber ich habe es gerne gelesen.

LG

 Saira äußerte darauf am 20.01.26 um 13:55:
Liebe Kriegerin,

es gab Zeiten, da musste auch ich lange nach Worten suchen, und andere, in denen sie ganz verstummten. Und nie kann ich sicher sein, wann wieder ähnliche Zeiten kommen.

Sie bleiben dann nicht sichtbar sitzen, sondern ziehen sich nur zurück. 

Es berührt mich, dass dieses Gedicht dich erreicht hat, ganz unabhängig davon, wie eindeutig es sich verstehen lässt.

 DanceWith1Life (20.01.26, 12:36)
Irrtrümmer und die Schwerkraft
im Denken und Glauben
sind ein ganz anderes Spiel
Als die Achtsamkeit zur Melodie 
und das Zuhören im Tanz

Kommentar geändert am 20.01.2026 um 12:39 Uhr

 Saira ergänzte dazu am 20.01.26 um 13:36:
Ja, die Irrtrümmer fallen schneller als Gedanken tanzen. Die Schwerkraft zieht nach unten, während die Melodie trägt.  :)

Danke und liebe Grüße
Saira
Zur Zeit online: