Lichter

Gedicht zum Thema Betrachtung

von  AnneSeltmann



manchmal

hebt sich der blick

so weit

dass er

den sternen folgt

 

er wandert

durch die dunkelheit

von einem glanz

zum nächsten

 

zählt

was unerreichbar scheint

und liebt

das ferne

als läge dort

die antwort

auf alles

 

und dabei vergisst er

dass auch die erde

lichter trägt

kleine

aus blütenblättern

und tau

 

sie warten nicht

am rand des universums

sie wachsen

zwischen gräsern

an wegrändern

in ritzen

zwischen steinen

 

sie öffnen sich

dem morgen

ohne applaus

und schließen sich

dem abend

ohne klage

  

eine margerite

im ersten licht

ein kleefeld

nach dem regen

der schimmer

auf einem spinnenfaden

das gold

einer butterblume

im wind

 

sie leuchten

nicht höher

nur näher

doch vielleicht

ist gerade das

ihr geheimnis

dass sie nicht

erobert werden wollen

 

dass sie nicht

nach uns rufen

sondern einfach

da sind

 

still

und selbstverständlich

als wüssten sie

etwas

das wir immer wieder

vergessen

 

dass das staunen

nicht erst

am himmel beginnt

sondern dort

wo unsere füße

die erde berühren

 




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