Die Zerbrechlichkeit des Glücks

Gedicht zum Thema Angst

von  AnneSeltmann


nachts
wenn du längst schläfst

 

lausche ich manchmal
ob dein atem noch
den raum bewegt

 

ganz leise

 

als könnte die dunkelheit
dich sonst
unbemerkt mitnehmen

 

deine hand liegt offen
auf der decke

 

eine vertraute landschaft
die ich längst auswendig kenne

 

und dennoch

 

dieser kleine stich
mitten zwischen zwei gedanken

 

dass irgendwann
ein morgen kommen könnte

 

an dem dein kaffee kalt bleibt

 

dein stuhl
unberührt

 

verlustangst
ist kein plötzliches gewitter

 

eher ein feiner riss
im glück

 

man trägt ihn mit sich
selbst an guten tagen

 

zwischen einkaufszetteln
gemeinsamen lachen
und den alltäglichen dingen

 

manchmal sehe ich dich an
während du etwas erzählst

 

und erschrecke fast
über die liebe

 

weil sie so groß geworden ist

 

als hätte mein herz begriffen
was sterblichkeit bedeutet

 

doch dann
drehst du dich zu mir

 

fragst irgendetwas Belangloses

 

und die welt

 

setzt sich noch einmal
für einen tag

in bewegung

 

 



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Kommentare zu diesem Text


 Vaga (07.05.26, 11:52)
Ja, auch wenn wir in der Lage sind, Augenblicke genießen zu können, gibt es da auch die andere Seite in uns, die den Genuss zu schmälern weiß. Mich (sehr) berührende Zeilen. LG

 EkkehartMittelberg (07.05.26, 12:34)
Ja, Anne,
es gibt kein Mittel gegen die Zerbrechlichkeit des Glücks. Deshalb solltge man immer damit rechnen.
Liebe Grüße
Ekki
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