Der Mensch hinter der Depression

Text

von  Verlo

Bei mir wurde Depression nie diagnostiziert. Ich hatte zwei Psychotherapien, weil ich mich umbringen wollte. (Die Psychotherapien haben mir nicht geholfen.)

Aber ich kenne mehrere Männer und Frauen näher, die mehrmals wegen schwerer Depression in stationärer Behandlung waren.

Eigentlich ganz normale Menschen, nur hin und wieder wollten oder konnten sie nichts mehr tun. Dann "erholten" sie sich einige Zeit in einer Klinik. Danach ging es weiter wie zuvor. Bis sie wieder nichts tun konnten und in die Klinik gegen. Und weiter und so fort.

Einige leben nicht mehr. Einige sind vorzeitig in Rente gegangen. 

Ein prominenter Fall ist der Schriftsteller David Foster Wallace. Er hat sich 46jährig in seiner Garage aufgehängt.

Für mich stellt sich die Frage nach der Ursache.

Ja, man liest, es gibt nicht die eine Ursache. Aber das bedeutet auch, daß nicht wirklich klar ist, was Depressionen verursacht.

Zudem wird oft auch geschwurbelt: Genetischer Faktor. Bei eineiigen Zwillingen entwickeln in etwas 50 % der Fälle beide eine Depression. 

Oder: Ist ein Elternteil depressiv, erhört sich das Risiko für die Kinder, depressiv zu werden.

Also für mich sieht das nicht nach einem genetischen Faktor aus.

Immer wieder findet man aber eine Überlastung, ein Zuviel.

Normalerweise würde man die Belastung reduzieren, aber das geht nicht einfach so, wenn man jeden Tag für seinen Lebensunterhalt sorgen muß, wenn Kinder im Haushalt sind, wenn jemand gepflegt werden muß, wenn man eine Mission zu erfüllen hat.

Im Grunde kann man sich eine Depression nur leisten, wenn ein anderer Aufgaben übernimmt.

Seelischen Schmerz kann man leider nicht an einen anderen abgeben. 

Zuviel ist immer subjektiv. Liegt es da nicht auf der Hand, daß der einzelne Mensch selbst die Ursache für Depressionen ist?

Das gleiche Ereignis: einer wird depressiv, muß in eine Klinik, um sein Leben zu retten, der andere nicht, er fühlt sich nur einige Zeit nicht wohl.

Vielleicht so wie: einer ist ein guter Sportler, der andere nicht; einer ist ein guter Mathematiker, der andere nicht; eine ist ein guter Schreiber, der andere nicht.

Übung verbessert die Situation, aber erhöht die Fähigkeit nicht über ein bestimmtes Niveau.

Dann sind Depressionen und wie man mit ihnen umgeht Schicksal.

Gottes Fügung.




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Kommentare zu diesem Text


 Regina (07.07.26, 10:18)
So weit ich das mitbekommen habe, gibt es verschiedene Arten der Depression, z.B. endogene, die körperliche Ursachen hat und andererseits die von dir beschriebene Überlastungsdepression, die durch Reduzierung der Nervenbelastungen kuriert werden kann.

 Verlo meinte dazu am 07.07.26 um 11:02:
Regina, wenn ich folgendes lese, vertraue ich lieber auf Gott oder ergebe mich seiner Fügung:
Die endogene Depression ist eine schwere Form der depressiven Störung, die vermutlich auf eine biologische Veranlagung zurückgeht, anstatt auf äußere Lebensumstände. Es wird angenommen, dass genetische Faktoren und neurochemische Ungleichgewichte eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen. Im Gegensatz zur reaktiven Depression, bei der äußere Ereignisse oder Stressoren eine zentrale Rolle spielen, scheint die endogene Depression mehr durch interne Faktoren beeinflusst zu sein.
https://www.enableme.de/de/artikel/endogene-depression-10311

Mit solchen Aussagen können nur Ärzte, Psychologen und Psychiater Geld verdienen. 

Alle anderen würde als Scharlatane eingeordnet und gemieden.

 adlibitum (07.07.26, 12:09)
Die Ursache ist nicht entscheidend. Entscheidend ist: wie wird in der Gesellschaft mit Depressiven umgegangen. Werden sie verachtet und beschimpft als faule Krankmacher und Schwächliche oder bekommen sie auch ohne Leistung ein bisschen Menschenwürde zugestanden.

 EVdR (07.07.26, 12:23)
Ich sehe eher das Zusammenspiel beider Welten: 
Die biologische Komponente – Chemie Vererbung und Erziehung – legen die Basis dafür, wie resilient jemand ist. Wie des Messers Schneide und der Tanz darauf wird. Der akute Auslöser ist dann aber meist der alltägliche Überforderungsdruck durch den ganz normalen Irrsinn dieser Welt.

Die bittere Realität, meines Erlebens, zeigt leider oft, dass das klassische System aus Therapeuten, Psychiatern und Medikamenten keine echte, dauerhafte Lösung bietet, weil es die äußeren Umstände nicht verändern kann. 

Am Ende bleibt vielen Betroffenen oft nur die Flucht in die Selbstverletzung, worunter letztlich auch jede Form von Sucht fällt – oder eben, der endgültige Ausstieg, weil der Blick in den Spiegel unerträglich wird. Die Würde verloren gegangen ist ...

Manchen Freitod kann ich nachvollziehen und billigen. Wenn es eine Schuldverteilung geben sollte, kann ich die Gesellschaft nicht freisprechen.

Der Mensch ...
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