Loaerhanny, ein Mann in Midlifecrisis; Jahr ´26 #9

Text zum Thema Midlife Crisis

von  S4SCH4

Keine Chips. Keine Schokolade. Kein Eis. Keine Erdnüsse in Caramel. Keine Brause … nur Gemüse und allgemeines Grünzeug, Jogurt, Suppe, Reiswaffel und Eier ... sowas halt. Ich bin nicht dick, aber ich muss auf meine Physis achten, sage ich mir. Meine achtzig Kilogramm Gewicht bei einem Meter achtzig Größe sind okay, nicht ideal aber auch kein Grund Alarm zu schlagen. Ich sollte wirklich mehr Sport machen …


Mein Einkaufwagen füllt sich im Zuge besagter Einkaufsrestriktion schnell mit allerhand gesunden Sachen und ich packe bald ein Sechserträger Bier und eine Packung Apfelkuchen dazu. Zum Ausgleich. Wir wollen es ja nicht gleich übertreiben und uns nach einem Kügelchen Puffreis aus der Sofaritze sehnend sehen.

 
Es ist Nacht und der Supermarkt ist hell erleuchtet; leer und äußerst hell erleuchtet. Meine Schritte klingen andächtig auf den blank geputzten Fliesen, als sei ich in einer gepflegten Kirche oder einem Tempel. Konsumtempel vielleicht, denke ich und schlendere, mit einem ab und an bemerkbaren Quietschen meiner Schuhsohlen, weiter durch die Gänge, bleibe irgendwann abrupt und fromm stehen. Ich lausche: Es ist kein Radio im Hintergrund zu hören. Es ist still. Nur das partielle Quietschen und das Brummen, Summen und Verstummen der Gefrierkühlschränke, in denen Pizza, Flammkuchen und Flammizza liegen ist gegenwärtig. Das alles hat etwas sehr Meditatives. Ich entspanne und greife etwas aus dem Regal vor mir.


Summ, brumm, stumm, summ, brumm, stumm ... sechs Sekunden später bin ich wieder bei mir: Jetzt aber nichts wie raus hier, sage ich und gehe schnellen Schrittes zur Kasse. Denn fast wäre ich im Stehen eingeschlafen als ich das Etikett einer Safttüte las, um herauszufinden, wie viel Fruchtgehalt der Inhalt wohl habe. Dieses Nahschlaferlebnis ließ mich hochfahren und ich wähnte mich in einer Art Spinnennetz und als Mahlzeit für erheblich größeres Wesen. Gott weiß, woher ich diese Assoziation kam, vielleicht war es noch der diffuse Instanttraumzustand, der in mir vor dem Instantsaft waberte und der mich instant stunnte. Mich handlungsunfähig sein ließ.

 
Nun, an der Kasse angekommen, musste ich nicht auf jemanden warten. Seelenruhig und freundlich saß ein junger Herr in strahlend weiß gewaschenen - und faltenfrei gebügelten Verkäuferkittel vor mir. Seine braunblonden Haare waren bestens gestylt und ebenso makellos wie sein Outfit. Bart stand ihm keiner, eine gründliche Rasur, so konnte ich noch am Aftershave riechen, wenn er seinen Kopf bewegte, hatte er sich offensichtlich kurz vor seiner Schicht verordnet. Nicht verwunderlich war mir, in Folge dessen, dass er mit seinen außerordentlich gepflegten Händen, jene Waren aus meinem Einkaufskorb über den Supermarktscanner zog und dies nur gerade so schnell tat, wie ich einpacken konnte. 

 
Als ich meine just erstandenen Sachen dann in das Auto einlud, fühlte ich mich zufrieden. Und ich wollte mich gleich morgen früh rasieren, danach zum Coiffeur und letztlich noch einen Anzug in Wäsche und Mangel bringen. Frisch und guter Dinge plante ich, danach in der Selbsthilfegruppe aufzuschlagen und mich zumindest einmal körperlich möglichst gut zu fühlen, während ich den Schmodder meines Lebens preisgäbe. 

 
Ich wollte die Erfahrung „Das Wunder von Well Ness“ nennen und verpflichtete mich, diese Erinnerung sorgsam zu behandeln. 



Anmerkung von S4SCH4:

... einfach mal Lifestyle mit einpacken

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Kommentare zu diesem Text


 Jack (10.07.26, 03:53)
„Ich empfehle“, lachte Unger,
„Kaffee, Koks und Fastenhunger“.

 S4SCH4 meinte dazu am 10.07.26 um 04:47:
Und dazu backen wir uns rhasch ein´ Kuchen
Und die Spesen, die verbuchen
Wir auf der nächsten KV Spendengala
Da fällt mir ein … schon lange war da
Keine Beitrag mehr von mir zu seh´n
Wohl sollte ich mal zahlen geh´n
Ich träumte nämlich von nem Dude
Der Geld von mir wolle (gar nicht cute)
Was soll´s der Morgen bringt nen Blancoscheck
Gereimt, erdichtet ist´s von Mac Moneysac

Antwort geändert am 10.07.2026 um 04:47 Uhr

Antwort geändert am 10.07.2026 um 04:52 Uhr

 Jack antwortete darauf am 10.07.26 um 05:57:
Ich dachte, Sascha, bald mit dir
ich trinke oberfränkisch Bier,
doch du bist jetzt Gesundheitsfreak?
Bei Robert Pfaller! Gar nicht schick!

Sind beide über 40 gar,
und werden älter Jahr für Jahr,
und sterben doch auf jeden Fall;
wozu aufhalten den Verfall!?

 S4SCH4 schrieb daraufhin am 10.07.26 um 06:38:
Erst gestern lachte roter Wein mich an
mit Rubinenaugen frug er: wann
magst du mich einmal kosten
er selbst käme aus dem Osten

Italiens Sizilien und lieblich im Geblüt
da meinte ich: Loaerhanny
der sei hier unverfrüht
und hätte einen Penny
gespendet und alsbald Kaffee aufgebrüht

und er wünschte sich bald mal ne Runde
ne´ ganz profunde KV Stunde

da trinken wir dann, Jack, den Jacky
und cracken bei McDon zum brekky
das Ganze a la carte Land vollends auf
als danach starten wir zum Ü40 Marathonlauf

gewinnen dort mit und auf ganzer Linie
und verlieren ´s im Rausch der Endorphinie
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