Einsam

Gedicht

von  GastIltis

Es steht vor dem uralten Berg ein Gemäuer

mit Efeu umrankt und verwurzelt im Grund,

der Eingang verwittert, der Weg nicht geheuer,

versteckt und bestimmt mit dem Bösen im Bund.


Und keiner geht rein, denn wer reingeht, bleibt drinnen.

Doch kommt jemand raus, weiß er nichts von dem Ort.

Die Mauern verfallen, die Zeiten verrinnen,

die Bäume sind Staub und die Sträucher sind fort.


Vom Mauerwerk bleiben nur Sand und die Steine.

Den Sand weht der Wind durch die Luft übers Meer.

Ein Stein ragt hervor und dort wart ich alleine,

ich warte und schaue dem Wind hinterher.


















Anmerkung von GastIltis:

Empfohlen von: tulpenrot, Tula, willemswelt, DanceWith1Life, Reliwette, EkkehartMittelberg, Didi.Costaire, plotzn, tueichler, Saira, franky, DerHerrSchädel.

Lieblingstext: Tula, franky, Saira, plotzn, Didi.Costaire, EkkehartMittelberg, willemswelt.

Ich warte! Auf wen wohl?

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Kommentare zu diesem Text


 Saira (15.07.26, 08:51)
Lieber Gill,

du erzählst dein Gedicht auf zwei Ebenen. Da ist zunächst dieser geheimnisvolle Ort, dessen Geschichte im Dunkeln bleibt. Gleichzeitig entsteht für mich der Eindruck einer inneren Landschaft, in der Erinnerung, Vergänglichkeit und Einsamkeit ineinanderfließen.

Aus dem Gemäuer werden Steine, aus den Steinen bleibt schließlich nur noch einer. Und an diesem einen Stein endet die Reise mit einem Bild, das mich tief berührt.

Ein Gedicht mit großer symbolischer Kraft.

Herzliche Grüße
Sigi

Kommentar geändert am 15.07.2026 um 08:52 Uhr

 GastIltis meinte dazu am 15.07.26 um 12:40:
Danke Sigi,
immer, wenn ich mein Gedicht lese, es ist schon etwas älter, wie du dir denken kannst, habe ich eine Klosterruine in meiner Heimatstadt vor Augen, die zu meiner Zeit als herumstrolchender Junge mit Stroh eines Bauern gefüllt war (wieso, ist mir heute noch ein Rätsel), in die man mit etwas Geschick durch eine von innen verriegelte Öffnung eindringen und bis zum Dachstuhl kletternd erkunden konnte. Leider hat ein Junge aus unserer Straße, als er wegen Betrunkenheit zu Hause nicht herein kam, später dort Quartier gesucht und Feuer gemacht, sodass die Ruine, deren Dach noch gut erhalten war, total abgebrannt ist; die Mauern sind geborsten und z.T. eingestürzt.
Wer weiß, wie die Ruine die nächsten hundert Jahre überstehen wird.
Ob sie anderen noch soviel Erinnerungen und Ausblicke vermittelt, bleibt die Frage.
Einen schönen Kommentar hast du geschrieben.
Liebe Grüße von Gil.

 plotzn (15.07.26, 10:10)
Servus Gil,

ich lobe Dich ja nur ungern, aber hier stimmt leider mal wieder alles. Stimmung, Wortwahl, Metrik, ... und so sende ich Dir ein widerwilliges "Chapeau!".

Zähneknirschende Grüße
Stefan

 GastIltis antwortete darauf am 15.07.26 um 12:47:
Hallo Stefan, 
ob du nun willst oder nicht, ich kann deine Zeilen nicht übersehen. Ihren sachlichen Inhalt zu prüfen, fehlt mir leider die fachliche Kompetenz, wie du ja weißt. Aber macht nichts. Ich freue mich über jeden Beitrag, den du lieferst.
Komischerweise hatte ich heute in einer meiner Antworten auf etwas von dir den Ausdruck "zahnlos" verwendet. Da wird das Zähneknirschen eigenartig klingen. Vielleicht hast du ja echte dritte. 
Danke und sei herzlich gegrüßt von Gil.

Antwort geändert am 15.07.2026 um 12:48 Uhr

 Didi.Costaire (15.07.26, 10:11)
Moin Gil,

du gehst über Los, doch zuerst über Rat,
und suchst dort nach Worten mit Ant.
Ein Stein ragt hervor wie schon Einstein es tat.
Wer albert, hat Glück und Verstand. 

Liebe Grüße, 
Dirk

 GastIltis schrieb daraufhin am 15.07.26 um 13:00:
Hallo Dirk, 

dein eiliger Vierz schlägt dem Boden das Fass
heraus samt dem Spund aus dem Loch.
Da fragt, der noch dicht ist, wo bleibt all das Nass:
der Kellner, die Wirtin, der Koch. 

Voller Bewunderung und Dank grüßt dich Gil.

 EkkehartMittelberg (15.07.26, 11:42)
Hallo Gil,
das Warten vor alten Gemäuern hat eine schöne poetische Tradtion. Dein gutes Gedicht zeugt davon. Doch das Warten macht inaktiv und einsam.
Liebe Grüße
Ekki

 GastIltis äußerte darauf am 15.07.26 um 15:07:
Lieber Ekki,
es ist schon ein Problem mit der Einsamkeit. Manche lieben sie, weil sie dann in Erinnerungen schwelgen können. Anderen ist sie ein Graus, weil sie depressiv macht. Aber Depressionen und das Alleinsein sind zwei Seiten einer Medaille, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Natürlich stimmt es, aktiv zu sein hilft über sehr vieles hinweg, leider, das hat man u.a. erst kürzlich am Beispiel eines Fußballspielers erleben müssen, nicht über alles. Dennoch, für die Melancholie ist das Einsamsein schon ein wesentliches Element.
Herzlich grüßt dich Gil.

 Reliwette (15.07.26, 12:05)
Lieber Gastiltis,
 wunderbar gereimt. voller Symbolkraft. "Heute noch vom Schritt durchmessen, Einsamkeit, um die ich weiß. Liebreiz immer noch gefühlt: Plattenmarmor weiter Kreis!"
Ich mag diese Melancholie. Wir beide sind ja auch reif genug, das zu schätzen!
Lieber Gruß!
Hartmut

Kommentar geändert am 15.07.2026 um 12:08 Uhr

Kommentar geändert am 15.07.2026 um 12:09 Uhr

 GastIltis ergänzte dazu am 15.07.26 um 15:19:
Hallo Hartmut,
dein „Zitat“ liest sich derartig klassisch, dass ich einen Großen der Dichtkunst vermutet habe. Was heißt groß? Wenn es von dir ist, ist die Frage schon beantwortet. Größer geht es nicht.
Nach Victor Hugo ist „Melancholie das Vergnügen, traurig zu sein“. Und das schätzen wir schon.
Danke und viele Grüße zurück von Gil.

 Reliwette meinte dazu am 15.07.26 um 18:23:
Ach Gil, danke, danke für das Kompliment. Ich bin auch nur 3cm über dem Erdbeben, pardon, Erdboden. Bescheiden ist, wer trotzdem lacht. Ich wünsche Dir noch ganz viel Poesie. Du hast sie dir verdient.
Mit liebem Gruß!
Hartmut

 tueichler (15.07.26, 12:26)
Wunderbar, diese Melancholie in Deinem Gedicht!

 GastIltis meinte dazu am 15.07.26 um 15:21:
Hallo Tom, 
schön, dass du, dass wir noch da sind. Auch wenn uns hier "nur" die Melancholie verbindet. Was für ein Vergnügen!
Herzlich Gil.

 Reliwette meinte dazu am 15.07.26 um 18:26:
Ja, Kollege Tuechler ist einer von uns!
Lieber Gruß!
Hartmut

 tueichler meinte dazu am 15.07.26 um 20:28:
Lieber Hartmut, lieber Gil,

es ist schon so, dass die Melancholie etwas verbindendes hat. Vor einiger Zeit ist mir selbst da mehr gelungen als derzeit. All der Lärm der Medien, die Polarisationen im Journalismus, das Gezänk in den Foren und das, vielleicht nur vermeintliche Zunehmen der Lebensgeschwindigkeit macht es mir zunehmend schwerer, einen geschlossenen Gedanken zu fassen, den zu Papier zu bringen sich lohnen würde. Stattdessen fällt mir ein Kalauer oder Bonmot nach dem anderen ein. Das mag symptomatisch dafür sein, dass ein innerer Rückzug stattfindet und die Schrift auf der verbleibenden Hülle mehr und mehr sich in kurzen Sätzen und Sequenzen erschöpft. Um diese innere Ruhe zu erlangen, die in der Melancholie die Kreativität zulässt, ist momentan für mich nur möglich, wenn ich einige Zeilen Thomas Bernhard lese, dessen Sprache für mich eher wie ein probates Vehikel zum Inhalt und damit in die Geschichte darstellt.
Und eigentlich sollte das keine Suada sondern ein Kommentar werden.

LG,

Tom

 GastIltis meinte dazu am 15.07.26 um 23:38:
Hallo Tom,
schön, dass du Thomas Bernhard erwähnst. Leider fehlt mir heute die Zeit, ausführlich darauf einzugehen. Aber demnächst werde ich mich ausführlich dazu äußern. 
Herzlich Gil.

 willemswelt (15.07.26, 19:49)
lieber Freund Gil,ich bin sehr beeindruckt von deinem Gedicht,einmal ,weil es ein Thema ist,mit dem ich mich doch sehr schwer tue ,auch wenn ich es manchmal bewußt angehe,am Meer gelang es mir schon,seltsamerweise durch die Hilfe meines Rollators,ich konnte alles vergessen,wenn ich mich zurücklehnte,die Menschen gingen vorbei und ich nahm nur das Meer und die Seeluft wahr-dich sehe ich schon auch ,als würdest du diese Ruine als etwas wahrnehmen,an das man sich anlehnen kann,aber vielleicht sind es auch nur meine Gedanken-auf jeden Fall nehme ich die intensive Poesie deiner-mal wieder sehr gekonnten- Worte so wahr und komme wohltuenden Gefühlen nahe und bleibe dein alter Freund Willem

 GastIltis meinte dazu am 15.07.26 um 23:46:
Ach mein lieber Willem,
deine Gedanken sind für einen zeitweiligen Melancholiker wie mich auch nicht gerade "Wasser auf meine Mühle". Aber ich kann dich schon verstehen, deine Wege am Meer und in der Natur, die dir sehr viel bedeuten, und meine Zeilen, sind etwas leicht Gegensätzliches, wenn man es übertrieben ausdrücken will. Dennoch, vielen Dank für die Bewertung meiner "Poesie", mit der ich mich manchmal befasse.
Herzliche Grüße von deinem Freund Gil.

 DerHerrSchädel (15.07.26, 23:12)
Bildhaft, melancholisch, romantisch - es kann nie genug Gedichte über ruinöse Gemäuer geben. Wunderbar!

 GastIltis meinte dazu am 15.07.26 um 23:47:
Danke Philipp, das ist für den heutigen Abend ein schöner Ausklang.
LG von Gil.
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