Conímbriga

Gedicht

von  Tula

Müde Pinien und Staub. Die Hütte am Weg macht auf Mitleid.
„Stets an den Seilen entlang“ ermahnt mich ein Alter entkräftet.
Drei Schritte weiter empfängt sie mich wie ein entfleischter Kadaver:
Hilflos, als flehender Stein, im Klagegesang der Zikaden.

Hier stand der Tempel der Stadt: drei Säulen, des Kaisers Vermächtnis,
zeugen von einstigem Glanz. Wie die Statue, kopflos, in Stücke
schlugen sie Sonne und Wind und der Regen, die herzlosen Sieger
ließen dem Führer der Hautevolee nicht einmal die Nase.

Hinter dem Forum der Wust, wie Schachteln, das waren mal Läden.
Schließt du die Augen, dann ahnst du den Trubel im Dämmer der Gassen:
Düfte von Salbei und Zimt, im Streit mit dem Schweiß einer Toga.
„Stoffe mit Purpur gefärbt, aus Tyros!“ beteuert ein Händler.

Raus aus Getümmel und Lärm. Die Brunnen dort laden zur Muße.
Lausch' doch dem Plätschern! Das Spiel belebt dir die Bilder am Boden:
Jagende Reiter, das zappelnde Schwein in der Hand eines Hirten.
Perseus, der göttliche Sohn, serviert dir das Haupt der Gorgone.

Jetzt zum Cantaber ins Haus, zum großen Bankett – Saturnalien!
Diener in hastigem Lauf befrachten die Tische wie Kähne:
Austern aus Tarent, Kastanien aus Spanien, „lukanischer Eber!“
preist man ein riesiges Schwein. Und Wein fließt, der beste – Falerner.

Schließlich suchst du am Hang der Siedlung die Kühle der Thermen;
schreitest noch einmal vorbei an Tavernen, an Kellern und Kammern.
Sicher schrieb hier einst ein reifender Dichter die ersten Satiren.
Staub nun auch diese. Du siehst nur die Echse im Schatten verschwinden.



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