Als wir an diesem Abend die Bibliothek betraten, waren die Fenster bereits dunkel. Nur über dem Lesetisch brannte eine einzelne Lampe. In ihrem Licht tanzen Staubkörnchen. Ihr warmer Schein warf einen Lichkegel auf den Tisch gerade so viel das ein Buch hinein passte. Du legtest die Strickmütze an den Rand des Tisches, die Handschuhe oben darauf, dann gingst du ans Regal. So viele Bücher über die Zeit des Kalifen und das Mysterium der fliegenden Teppiche. Du zogst etwas Schmales hervor.
Aus der Einleitung des Herausgebers Von der sogenannten Lichtfarben-Gnosis des Abu Ababu
sind heute nur wenige Fragmente erhalten. Bereits die ältesten Verzeichnisse weisen darauf hin, dass das Werk niemals vollständig verbreitet war. Einige Handschriften nennen sieben Bücher, andere nur drei. Ob dies auf verschiedene Fassungen oder auf frühe Verluste zurückzuführen ist, bleibt ungeklärt. Die valentinianischen Gelehrten erwähnen Abu Ababu nur beiläufig. Bemerkenswert ist jedoch, dass sie seine Lehre weder ausdrücklich verwerfen noch übernehmen. Ein anonymer Kommentator bemerkt, Abu Ababu habe weniger über das Licht selbst gesprochen als über dessen Farben. Gerade darin sahen spätere Abschreiber den eigentlichen Unterschied zu den übrigen gnostischen Schulen. Zu den besser erhaltenen Stücken gehört ein Text, den die heutige Forschung als »Teppichwissenschaft IV« bezeichnet. Die Zählung dürfte auf einen mittelalterlichen Herausgeber zurückgehen und nicht auf Abu Ababu selbst. Das Fragment ist deshalb bemerkenswert, weil es nicht nur die Lehre der Lichtfarben-Gnosis überliefert, sondern zugleich ihre Gegner sichtbar werden lässt. Du hättest gerne noch weitergelesen.
"Lass es für heute genug sein."
"Ja, morgen ist auch noch ein Tag"
Schnell die Mütze auf den Kopf und die Handschuhe nicht vergessen.
"Sie läuft uns ja nicht weg."
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