Besuch in der Bibliothek(2)

Erzählung

von  Imitologiker


Besuch in der Bibliothek(2)

Als wir heute ankamen hattest du schon die Handschuhe abgestreift und mit der Mütze zusammen in deine Manteltasche geknautscht.
Du knipstest die Lampean.
Das Buch lag noch unter dem Lichkegel. Keiner hatte es weggeräumt.

Teppichwissenschaft IV. (nach heutiger Forschung)
Komentare zur Lichtfarben-Gnosis

Der Text zeigt bereits eine erstaunliche Vielfalt von Schulen. Neben den Anhängern Abu Ababus begegnen uns Monoteppichisten, eine von den meisten Gelehrten als häretisch bezeichnete Richtung sowie die Fadenmechaniker. Letztere vertreten eine entschieden materialistische Auffassung. Nach ihrer Überzeugung besitzt ein Teppich weder Seele noch verborgene Lichtfäden; seine angebliche Flugfähigkeit sei ausschließlich eine Frage der Webtechnik.
Gerade diese Gegensätze sprechen gegen die Vermutung, es handle sich um eine einheitliche Legendenbildung. Vielmehr scheint sich bereits früh eine lebhafte innergelehrte Diskussion entwickelt zu haben. Die wenigen erhaltenen Fragmente lassen nur ahnen, welchen Umfang diese Auseinandersetzungen einst besaßen.
Der nachfolgende Text gehört nach allgemeiner Auffassung zu den frühesten überlieferten Fragmenten.
"Schade, irgendwo muss doch mehr zu finden sein"
"Lasses für heute genug sein. Bestimmt ist er zwischen den Ledereinbänden verborgen,"
Ja, es war wieder spät geworden schon
als wir an diesem Abend die Bibliothek betraten, wares Draußen bereits dunkel.

Für heute muss es genügen.

Die Strickmütze auf den Kopf.
Die Handschuhe blieben in der Tasche.
"wir sehen uns morgen  wieder. Gute Nacht"





Hinweis: Du kannst diesen Text leider nicht kommentieren, da der Verfasser keine Kommentare von nicht angemeldeten Nutzern erlaubt.

Zur Zeit online: