Habe Luchsohren. Die habe ich von meinem Vater geerbt, der war im 2. Weltkrieg im Lauschbataillon beim Nachrichtendienst der Wehrmacht. Er hörte durch Wände und belauschte alle unsere Gespräche. Wir versuchten möglichst zu flüstern als Gegenmaßnahme. Jetzt hat mich die Strafe ereilt: ich wohne mit einem Schwerhörigen zusammen. Seine Mutter war harthörig und hatte ein Hörgerät, ebenso auch seine Schwester, außerdem seine Oma. Liegt wohl in der Familie. Auch meine Mutter war schwerhörig. Meine Ohren sind dagegen zum Glück ziemlich gut. Ich halte zur Schonung meine Ohren zu, wenn es mir zu laut wird, weil mir das wehtut. Ich hatte als Kind Geige gespielt und hatte keinerlei Probleme, das Instrument zu stimmen, so wie manche andere. Das fiel mir immer leicht. Das Leben mit einem Schwerhörigen ist manchmal ziemlich anstrengend. Dauernd muss man seine Aussagen wiederholen, das kann auch nerven. Mein früherer Freund hörte schon immer ziemlich schlecht. Daran hatte ich mich gewöhnt. Jetzt har er sich ein Hörgerät angeschafft, vielleicht auch weil man ihm sagte, es würde die Gefahr einer Demenz bestehen und auch, weil es etwas umständlich ist, zu wenig zu hören. Mein jetziger Mitbewohner ist noch nicht so weit, er hat außerdem noch Tinnitus und das stört noch zusätzlich und ist kaum behandelbar. Eine kurze Episonde am Rande: mein Musiklehrer im Gymnasium Herr B., der auch leicht taub war, riss mich am Ohrläppchen, warum auch immer und weil sowas früher normal war. Es blutete etwas und kein Mensch nahm davon Notiz.
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