Tante Dieta - (History)

Text zum Thema Kinder/ Kindheit

von  Gabyi

Am Anfang der Gudewerdtstraße wohnte eine Frau, die nannten wir Tante Dieta. Sie war nicht unsere leibliche Tante, aber wir sagten es dennoch zu ihr. Ich musste als Kind immer an ihrem Haus vorbeigehen, wenn ich vom Hafen nach Hause kam. Sie guckte meist aus ihrem Fenster. Ich grüßte sie nicht, denn ich hatte keine Lust, andere Leute zu grüßen. Das war mir irgendwie peinlich. Einmal kam ich um die Ecke, nachdem ich beim Bäcker Makoben ein Schwarzbrot gekauft hatte. Das war das einzige Brot, das mein Vater mit seinem schwachen Magen vertrug. Die ganze Familie musste es mitessen. Ich lief an Tante Dietas Haus vorbei und in dem Augenblick fiel mir das Brot zu Boden. Vielleicht, weil Tante Dieta mich mit ihrem stechenden Blick verfolgte. Danach verpetzte sie mich bei meinen Eltern. Tante Dieta war jetzt meine Feindin. Ich grüßte sie danach erst recht nicht. Dann irgendwann war Tante Dieta in die Berliner Straße umgezogen. Sie lud meine Familie ein, ihre neue Wohnung zu besichtigen. Ich war nicht eingeladen. An dem Tag, als meine Eltern sie dann mit meinen Brüdern besuchten, musste ich allein zu Hause bleiben. Mein Vater hatte mir eine Tafel Sprengel-Schokolade gekauft, die ich in großen Stücken abbiss, das wollte ich schon immer mal tun. Ich hatte aber leider stechende Kopfschmerzen, wie immer auf der linken Seite. Meist musste ich mich dann auch übergeben. Zu den Beerdigungen meiner beiden Eltern ging ich dann später nicht.


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