Lärm - des einen Lust, des anderen Last

Glosse zum Thema Sensibilität

von  eiskimo

Ihr fragt, ob es noch echte Unterschiede gibt zwischen dem Leben auf dem Land und dem in der Stadt. Gute Frage.

Ich meine, es gibt sie, diese Unterschiede. Ein kleiner, aber sehr penetranter, ist der Faktor Lärm. Lärm wie laut, lästig, Last, Belästigung.

Denn: Auf dem Land, also auf dem richtigen, platten Land, da scheint mir Lärm geradezu eine Lust. Lust wie lustvoll, lustig oder Belustigung. Nicht anders muss man den reihum produzierten Lärm dort von Partysound, Motorsägen, Hilti-Hämmern, Quads und schweren Motorrädern wohl deuten. Menschen, Maschinen, Hunde – sie scheinen dort fröhlich zu kommunizieren .... in Dezibel, und erst ab Größenordnung 80 plus kommt richtig Stimmung auf.

Pech für den Städter, der dort staunend wahrnehmen muss, dass die Schallwellen definitiv nur seinen Ohren wehtun. Sein gequältes Gesicht macht ihn dann auch sofort als Städter erkennbar – die Einheimischen dagegen leben richtig auf, wenn die Harleys im Pulk vorbeidröhnen und mit ihrem satten Sound die Felder und Auen einsegnen. Da stimmen dann auch die Hunde mit ein, die Rasenmäher und Motorsensen,  in das unbeschwerte  Hochtöner-Konzert, das bei sommerlichem Heimwerker- und Bikerwetter noch einmal den Extrabonus für „Fast wie an Sylvester“  erhält.

Der Städter flieht zurück zwischen enge Wohnblocks und zugeparkte Straßen und stellt dort verwundert fest: Herrlich ruhig kann es da sein, mitten in der aufgeklärten Großstadt.




Anmerkung von eiskimo:

Am Lärm scheiden sich die Geister.

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Kommentare zu diesem Text


 niemand (31.08.26, 10:46)
Ich fahre ständig mit dem Rad durch kleine Ortschaften/Dörfer, sprich durchs Land und habe nichts dergleichen sehen und hören können. Auf dem Land ist es wesentlich ruhiger und die Menschen, das muss man positiv erwähnen, sind allesamt höflicher, als in den Städten. Man wird freundlich gegrüßt und wenn man selber grüßt, freut sich das Gegenüber. In der Stadt wird das Grüßen eines Vorbeifahrenden/oder Gehenden als eine Art Perversion wahr genommen: Was willst du denn, lass diese Anzügölichkeiten. Und wenn ich es so zusammenfassen darf, kommen mir Menschen auf den Dörfern auch irgendwie naiver vor, den Ballungsräumen gegenüber. Aus der Sicht des Landbewohners ist alles nicht so schlimm, wie es kritische Münder künden. Wir sind nicht zu viele auf einem Haufen, wer sagt denn sowas? Man sollte noch dichter zusammenrücken. Sowas kann nur von Leuten kommen, die genügend Platz besitzen um atmen zu können, die keine Bedrohungen sehen, weil keine da sind und wenn man nur eine Idylle kennt, dann überträgt man die Vorstellung auch auf andere Gebiete. Ich weiß nicht wo Du wohnst, aber dort scheint die Landwelt eine Hochburg der Ausuferung zu sein, ein Ort der Lautstärke.
LG niemand

Kommentar geändert am 31.08.2026 um 10:46 Uhr
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