Politische Korrektheit - oder wo Millionen täglich hinstarren

Glosse zum Thema Normen und Werte

von  eiskimo

Politische Korrektheit – welch ein Segen! Langsam dringt sie auch, so meine Beobachtungen, in die finsteren Ecken unserer Kultur vor – nur nicht dahin, wo Millionen täglich hinstarren, nämlich in die Finsternis der Fernseh-Krimis. Da wird – und ich beklage das sehr - auf allen Kanälen und zur besten Sendezeit weiterhin übel foul gespielt – Rassismus, Vorurteile, gesellschaftliche Ausgrenzung: Pfui, es werden weiterhin die niedersten Instinkte bedient und … verfestigt.

Bei mir ist damit Schluss. Ich habe jetzt einen Krimi entworfen, der sauber ist.

Die tödliche Kugel, um mit dem Wesentlichen anzufangen, die ist natürlich bleifrei, ohne Oxidationsmittel recycelt. Und sie hat – für alle sichtbar – sich verirrt.

Das Opfer ist nicht wirklich Opfer, es ist eh schon sterbenskrank – dankbar nimmt es die humanitäre Geste der Erlösung an – jeder merkt: Es ist besser so, besser als im Pflegeheim zu enden.

Der Schütze, keiner Rasse angehörig, stammt aus einem tierfreien Nichtraucherhaushalt. Schießen wollte er auch gar nicht. Nur drohen.  Er entschuldigt sich auch sofort wortreich, ist zutiefst entsetzt, kann aber noch per Notruf einen Pfarrer herbei rufen. Der kommt wie vom Himmel gesandt, natürlich per Fahrrad, um in weihevoller Geste die letzte Krankensalbung zu praktizieren – ohne Einsatz von Palmöl, wohlbemerkt.

Die Beute: Eine unter Verzicht auf Kinderarbeit gefertigte Brieftasche, darin ehrlich verdientes Geld,  ordentlich versteuert und absolut frei von Cumex- oder Zockergeruch.

Das Tatmotiv: Irgendetwas Wohltätiges, völlig klar.  Ich schwanke allerdings noch zwischen der Verlobten, die unheilbar krank ist und ein von der Kasse nicht übernommenes Medikament braucht und der Mutter, die den Lifta nicht bezahlen kann – ihr droht ein trauriges Ende im muffigen Erdgeschoss eines vom verstorbenen Gatten mühevoll gebauten Eigenheims.

Die Ermittler, keiner Rasse und keinem Geschlecht eindeutig zuzuordnen, sind völlig unvoreingenommen, fahren E-Autos aus heimischer Produktion und was tun sie?  Sie ermitteln ohne Druck übelgelaunter Vorgesetzter seriös und stressfrei …. in alle Richtungen.

Den Täter nehmen sie am Ende fest, als er sich gerade stellen will – keine Androhung von Gewalt, keine Dienstwaffe im Einsatz, nicht einmal Handschellen.

Schlussbild: Alle in der SoKO beteiligten spenden für den Lifta – die Mutter tuckert darin dankbar in das Obergeschoss ihres knuffigen Häuschens…. und der Sohn kommt wegen guter Führung schon bald auf Bewährung frei.

 




Anmerkung von eiskimo:

Soft-Krimis, so wie mir sie vorschweben, die könnten Zukunft haben. Das übertrieben Harte ist gar nicht gefragt. Soft-Pornos sind der beste Beweis

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Kommentare zu diesem Text


 Mikael (15.06.26, 10:58)
Und ehrenamtlich produziert , gedreht mit Laiendarstellern die nach der Arbeit im sozialen Bereich noch ein wenig Zeit hatten. Und das schönste, anteilige Rückerstattung der GEZ Gebühren
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