Gepflegte Feindbilder

Glosse zum Thema Leid

von  eiskimo

Mein Freund Fischer-Rübenstampf hat eine imposante Sammlung von Feindbildern. Tumbe Verantwortungsträger; arrogante Medien-Fuzzis; zu alt gewordene Schlagerstars; neureiche Nachbarn; Rentner, die mit den Caddies immer im Wege stehen, wenn sie nicht gerade den Garten keimfrei saugen, rastlose Heimwerker;  oha …..

Die Sammlung dieser oft fratzenhaften Feindbilder, die wird von ihm natürlich sorgsam gepflegt, am liebsten täglich, und die besten Stücke kommen – je nach Lage an der Psychofront – ganz nach vorne.

Nein, zu offenen Kampfhandlungen lässt Fischer-Rübenstampf sich nicht hinreißen. Er kämpft lieber als Maulwurf, sozusagen undercover. Denn seine Feinde wären auch zu zahlreich, zu wandlungsfähig und in ihrer Nervigkeit zu unterschiedlich.

Sie lauerten ihm auf, so berichtet mir Fi-Rü immer wieder, aus dem Hinterhalt, überfallartig. Kleine Nadelstiche, so klagt er,  wechselten sich ab mit ganzen Breitseiten. Manche tarnten sich wochenlang, tauchten unter seinem Radar hindurch , kaum mehr greifbar…. um ihm dann – peng! - doch wieder mit ihrer Penetranz den ganzen Tag zu verderben.

Die Hundebesitzer zum Beispiel gingen wochenlang woanders Gassi, fast sähe er sich mit seinen Abschreckungsmaßnahmen schon erfolgreich am Ziel – und dann läge doch wieder urplötzlich so eine Tellermine stolperscharf vor seiner Garageneinfahrt.

„Das sind Partisanen,“ schimpfte er. „Sie kommen ganz früh morgens, noch im Schutz der Dunkelheit, scheuen die offene Feldschlacht, um dann klamm heimlich ihre Tellerminen zu legen!“

Ich selbst lebe noch ohne Hund und kenne auch Hundebesitzer, die durchaus nett sind – deswegen verhalte ich mich bei dieser Kriegsrhetorik neutral. Eher könnte ich FI-Rü zustimmen, wenn er verbal zu Felde zieht gegen die Camper. Das sind in seinem Revier jene Inhaber von Reisemobilen, die ihre XXL-Gefährte monatelang da parken, wo andere auch mal gerne ihre täglich bewegten Kleinwagen abstellen würden.

„Eine feindliche Übernahme“ nennt Fi-Rü das. „Der öffentliche Raum wird  von  den Besitzenden annektiert, auch gerne heimlich, und es werden immer mehr….“

Den absoluten Overkill erlebt Fi-Rü dann, wenn jene Camper endlich einmal ausrücken, um  „die Freiheit zu erobern“ – unschuldige Landstriche in der Ferne, „die sich nicht wehren können“.  Denn dann hängen die an ihre Acht-Meter-Panzer hinten noch einen Anhänger dran, auf dem – oh, Graus – etwa noch zwei Motorräder prangen oder – schlimmer noch – ein Jetski!

Damit hat mein Freund gleich mehrere Feindbilder sozusagen vereint in einer „mobilen Allianz des Bösen“. Er hält mir dann zwei Finger vor die Nase.

„Da sind zwei Personen, die für ihre kompromisslosen Ansprüche Tausende Kilometer runterreißen, dann  zwanzig Meter Stellfläche beanspruchen, um ihren ganzen Reichtum auszubreiten und schließlich mit Hurra losbrettern, zu Wasser oder zu Land, schön laut, damit alle anderen in Deckung gehen. Was ist das für eine Welt?“

Diese Frage ist dann nicht nur rhetorisch gemeint. Fischer-Rübenstampf meint sie ernst. Er leidet wirklich.  Was sollte ich darauf antworten? Ich weiß es nicht, darum gebe ich sie hier einfach mal weiter. Allerdings ganz unkriegerisch. Und sozusagen als Vermittler.

Fischer-Rübenestampf täte es jedenfalls gut zu erfahren, dass er nicht alleine ist, so grimmig undercover, in seinem Maulwurfsbau.




Anmerkung von eiskimo:

Bedenklich scheint mir, dass allzu schnell und heftig "gefightet" wird. Schlachtrufe überall.

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Kommentare zu diesem Text


 Vaga (16.07.26, 12:55)
Herr-, herr-, herrlich!
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