Wenn die Welt leiser wird

Gedicht zum Thema Philosophie

von  AnneSeltmann


manchmal

gehen wir nicht fort.

wir werden nur

ein wenig weniger sichtbar.

 

lassen die stimmen

draußen vor der tür

und hören,

wie der tag

seine schuhe auszieht.

 

eine seite

wendet sich.

das papier weiß nichts

von gestern.

 

eine blume am fenster.
das licht wandert
über ihre blätter.
wir schauen zu.
mehr braucht es gerade nicht.

 

draußen fährt ein auto vorbei.

irgendwo fällt eine tür ins schloss.

 

der himmel verändert

kaum merklich

seine farbe.

und wir

werden stiller.

 

nicht auf einmal.

nicht aus einem grund,

den wir benennen könnten.

eher so,

wie licht aus einem zimmer wandert,

ohne dass jemand

die lampe berührt.

 

schritt für schritt

rückt die welt

ein wenig weiter weg.

bis wir wieder hören,

was unter all dem liegt:

 

unser atem.

das rascheln eines blattes.

die kleine, unaufdringliche tatsache,

dass wir da sind.

und für diesen augenblick

muss nichts

hinzukommen.



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