Herbst-Tanz

Gedicht zum Thema Leben

von  AnneSeltmann


der wind

hat heute nichts vor

außer mich

ein wenig aus mir herauszuwehen.

 

ein blatt streift meine schulter.

ein anderes

landet mitten im gedanken

und bleibt.

 

ich hebe die arme,

als könnte ich den himmel

an seinen losen enden halten.

 

rot fällt.

gold fällt.

 

ein ganzes jahr

löst sich von den zweigen

und dreht sich

um meine füße.

 

ich tanze mit den blättern,

nicht schön,

nicht im takt,

aber der wind

kennt keine schritte,

die falsch sind.

 

für einen moment

bin ich leicht genug,

um nichts festzuhalten.

 

nicht den sommer.

nicht das,

was hätte bleiben sollen.

nicht einmal mich selbst.

 

die bäume sehen zu.

sie haben das längst gelernt.

 

loslassen

ist manchmal nur

eine andere art,

sich bewegen zu lassen.

 

und während der himmel

seine grauen ärmel hochkrempelt,

drehe ich mich noch einmal

zwischen all dem gelebten grün,

das jetzt

andere farben trägt.

 

ein blatt verfängt sich

in meinem haar.

ich lasse es dort.

 

man muss nicht alles

zurückgeben,

was einem der herbst

in die hände spielt.



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Kommentare zu diesem Text


 Tilottama (09.10.26, 14:59)
Ich finde dieses Gedicht sehr lebhaft in seiner Bildlichkeit, ich selbst würde weniger Zeilenumbrüche machen, sie geben dem Gedicht einen etwas stakkatohaften Rhythmus, der den fließenden Bildern widerspricht. Vielleicht ist es auch eine reine Geschmacksfrage.

 EVdR (09.10.26, 15:15)
Ein schöner leiser Text. 
Klar, melancholisch. 
Er gefällt weil er, Loslassen nicht als Verlust, sondern als Bewegung zeigt. 
Natur als inneren Zustand benutzt.
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