ZWEI S*P*I*T*Z*W*E*G - PASTICHES MIT POST & POET

Pastiche zum Thema Kunst/ Künstler/ Kitsch

von  harzgebirgler


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Die POST ist da trari trara:
Per pedes, sieht man, kommt sie ja
ins eng bebaute
ROSENTHAL
verlässlich wie beim letzten Mal.
Blauer Himmel, Sonnenschein -
ach! wär' doch das Briefchen mein!
Glänzt vielleicht in schatt'gem Zimmer
gleich ein froher Hoffnungsschimmer?
Des Mädgens Herz, hüpft's schon im Leibe,
sehnend, dass der Liebste schreibe?
Ein Brief?! Ein Brief?! Von ihm?! Für mich?!
Pocht ihr Herz schon wonniglich,
ziert schon sanftes Rot die Wangen,
schwankend zwischen Hoffen, Bangen?

Oh, es scheint: Er hat geschrieben;
der Bote winkt der holden Lieben -
von Licht bestrahlt die Amtsgestalt
allerdings nur von hinten halt,
weil ihre Front gen Mädgen zeigt,
das sich zum off'nen Fenster neigt -
mit einem Brief und in Gedanken,
die stets sich um den Liebsten ranken,
der in der Ferne weilt, im Felde
und gegen Feinde kämpft in Bälde
oder von seiner Rückkehr kündet,
was Sehnsucht in der Maid entzündet,
drückt sie die Nachricht schon ans Mieder
und sieht gespannt zum Boten nieder...

Neun weit're Mädgen sind im Bilde -
was führt
SPITZWEG bloß im Schilde?
Acht davon schau'n hin zum Boten;
unterm Dach die, mit den roten
Blüten in den ird'nen Töpfchen,
allerdings hebt nicht das Köpfchen.
Kein Wunder wär's, weil's sich kaum lohnt,
wenn nur gefragt würd', wo wer wohnt,
um einen Brief zu übergeben
den man ja selbst mit Herzebeben
seit langem schon erwarten mag...
und wieder ein Nur-Hoffen-Tag,
wo verliebte Taub' mit Taube
turtelt nah des Türmchens Haube
unter der sie sitzt und harrt,
während alles blickt und starrt!
Doch seltsam wie sie sich benimmt,
ist diese Post für sie bestimmt
und sie erscheint so scheu-vertieft,
weil sie es ahnt: ER KOMMT...verbrieft!


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Mit der Brille auf der Nase
liegt am Tag er noch im Bett,
ja, er hebt sich nicht vom Lager,
der Poet, der mehr wohl hätt´
an Besitz, Kultur des Wohnens,
würd' er reüssiern im Fach,
doch wie's ausschaut haust teutsch Michel
unterm schon undichten Dach.
Dachschräg ist die karge Kammer,
die der Musensohn bewohnt
und du ahnst, dass sich sein Mühen
bislang herzlich wenig lohnt.

Spärlich die Habseligkeiten
solchen Lebens für das Wort,
dennoch liegt Idyllenschimmer
überm schrägen Dichterort.
Auf dem Boden die Matratze,
unverhüllt auf blankem Holz -
dies stört Spitzwegs Michel wenig,
weil dem Dichten gilt sein Stolz.
Gehrock, Stiefel und Zylinder,
Schirm, Stock, Bücher, greifbar nah,
dicke, alte, große Schinken
hat der Schlafmützträger da,

nur nichts Essbares in petto,
was bei Hunger füllt den Bauch,
selbst an Brennholz herrscht ein Mangel -
Manuskripte tuns ja auch.
Oh, die Kunst birgt manche Hürde,
ehe mal ein Werk gelingt
und im Schatten wahrer Meister
einer was zustande bringt;
auf den Durchbruch mag er hoffen
und die Jahre gehn ins Land -
glücklich wer auch ohne diesen
dann im Tun Erfüllung fand.

Oft wills sich partout nicht reimen –
irgend etwas hemmt den Fluß
und im Versmaß fasst der Arme
häufig erst arg strauchelnd Fuß.
Deshalb, als Gedächtnisstütze,
stehts mit Kreide an der Wand:
Emsig folgt dem klass'schen Muster
prüfend des Poeten Hand;
zwischen Lippen klemmt die Feder,
kritisch wird das Blatt beäugt,
obs am Ende noch für andres
denn als Ofennahrung täugt!

Tinte geht im Fass zur Neige,
Feder fasst geneigten Rest,
doch so sehr die Not umdroht ihn,
aus der Ruhe bringen lässt
sich der nicht mehr junge Künstler
offensichtlich niemals nicht -
eifrig sucht er weiter Reime
in des Sonnentages Licht.
In der Tat zählt, Kurs zu halten,
sei Erfolg auch ziemlich fern -
folge stetig deinen Sternen,
tue was du tust stets gern...

Doppeldeutig ist die Armut,
die der Maler illustriert,
denn wo Können groß am Werk ist,
hat es meist zum Ruhm geführt
immerhin zu Lebenszeiten,
die wohl anfangs oftmals schwer,
pures Unvermögen indes erntet
selbst posthum nur selten Ehr'!
Spitzwegs Bild mag man betrachten
mit gewisser Nostalgie,
sich zutiefst zu überschätzen
scheint modern aber wie nie...



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arme hat der poet und klar auch beine
die sind von einer decke nur verhüllt:
er liegt ja noch im bett beim holden scheine
der morgensonne - ganz von vers erfüllt

liest er sich durch was ihm grad aus der feder
geflossen ist aufs schneeweisse papier
das bringt mit sicherheit keineswegs jeder
doch brotlos scheint die kunst zumindest hier

denn um den kachelofen zu beheizen
nimmt er schon alte manuskripte her
zur nachahmung kann das kaum welche reizen

die „kohle“ machen woll’n und deshalb mehr
- zumal meist mangels dichterischer gaben -
zum ziel „solidere“ berufe haben...


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Kommentare zu diesem Text


 Oggy (01.11.26, 15:22)
Henning, das Porto wird bald erhöht und gut ist!

LG,
Oggy
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